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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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der  Volkswirthschaft  findet.  Nur  einen  Punct  will  ich  in  Kürze
desshalb  ausheben,  weil  ich  glaube,  dass  man  ihm  bisher  zu  wenig
Aufmerksamkeit  gewidmet  hat,  nämlich  die  Nothwendigkeit  einer
bessern  Bildung  der  unteren  Volksclassen  in  Beziehung ­
  auf  den  Gebrauch  ihres  Credits.  Es  erscheint
diese  dringend  nothwendig,  nicht  nur  damit  sie  in  den  Stand  gesetztwerden, ­
  über  die  Höhe  der  beim  Ausborgen  an  sie  gestellten
Forderungen  selbst  zu  urtheilen,  sondern  vorzüglich  damit  sie
nicht,  wie  es  leider  sehr  häufig  geschieht,  durch  Sorglosigkeit  und
Leichtsinn  ihren  Credit  selbst  zu  Grunde  richten.  Haber,
die  Geldbesitzer  einmal  beobachtet,  wie  viele  dieser  Leute  sich
damit  begnügen,  das  Darleihen  in  Empfang  genommen  zu  haben,
und  es  dann  ihrem  Gläubiger  überlassen,  zu  sorgen,  wie  er  befriediget ­
  werden  wird,  so  werden  sie  um  so  unbereitwilliger  sich
mit  ihnen  einzulassen,  oder  sie  werden  schon  im  Voraus  darauf
bedacht  sein,  dass  ihnen  die  bevorstehenden  Unannehmlichkeiten
und  Verzögerungen  vergütet  werden.  Die  Art  und  Weise  endlich,
wie  Leuten,  die  keine  Sicherstellung  gewähren  können  und  deren
Umstände  und  Charakter  nur  wenig  Zutrauen  einflössen,  im  Geschäftswege ­
  (nicht  aus  Humanität,  aus  Mitleiden  u.  s.  f.)  Capilale
zu  niedrigen  Zinsen  zugewendet  werden  sollen;  dieses  Räthsel
hat,  so  viel  mir  bekannt,  noch  kein  National-Oekonom  gelöset
und  zwar  aus  dem  Grunde  nicht,  weil  es  gegen  die  natürlichen
Gesetze  des  Verkehrs  streiten  würde;  so  viel  ist  jedoch  gewiss,
dass  die  Wucher-Strafgesetze  diese  Lösung  nicht
bewirkten.  Wahr  ist  es,  dass  dergleichen  Aufborgende  durch
hohe  Zinsen  sich  sehr  beschwert  fühlen  müssen,  allein  den  Grund
dieses  Druckes  können  sie  nicht  in  fremder  Habsucht  und  Ungenügsamkeit, ­
  sondern  sie  müssen  ihn  in  sich  selbst,  in  ihren
misslichen  Umständen  suchen.  Der  Darleiher  hat  diese
Notblage  nicht  herbeigeführt  und  man  kann  ihm  durchaus  nicht
vorwerfen,  er  habe  sie  missbraucht,  wenn  er  seinen  Schuldnern
zwar  viel,  aber  doch  nicht  mehr  abforderte,  als  er  für  nothwendig
hielt,  um  nicht  selbst  zu  Schaden  zu  kommen  ().

*)  Credit-Vereine,  Leihbanken,  Pfandämler  gewähren  in  dieser  Beziehung
dadurch  einigen  Vortheil,  dass,  obgleich  sie  nur  gegen  Hypotheken  oder
Pfänder,  folglich  an  günstiger  gestellte  Parteien,  Vorschüsse  geben,  bei
Sitzb,  d.  phil.  hist.  CI.  VII.  Bd.  III.  Hft.  34

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