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nicht wenigstens über dieselben? Dante und üvid, sage ich,
sie haben, trotz der entgegengesetzten Erwartungen, in der
hebräischen Sprache ihre Vertreter gefunden! Sprache und
Ausdruck, Gedanke und Inhalt sind wohl vom Hebräischen wie der
Osten vom Westen unterschieden, aber eben darum ist es um so
merkwürdiger zu erblicken den Dante und den Ovid in hebräischer
Umkleidung. Rieti und Marini, sie sind die Vertreter
des Dante und Ovid in der hebräischen .Sprache, sie haben die unsterblichen
Dichtungen derselben auch in der hebräischen Literatur
verewiget, und verdienen daher selber nicht weniger an solcher
Verewigung Antheil zu haben. Rieti und Marini, sie gaben
den Dante und den Ovid in hebräischer Umkleidung.
Wir bemerken jedoch gleich zum Voraus, Rieti gab den Dante,
Marini den Ovid wieder, aber nicht Beide in derselben Weise, sondern
der Eine vielmehr eigentliche Uebersetzung, der Andere eine
formgleiche Nachbildung. Rieti, als dem tiefen Born altclassischer
Literatur und Bildung näher stehend, wurzelt mit seinem ganzen
Dichten und Denken in dem noch frisch beackerten einheimischen
Boden, saugt nur zur Selbsterhaltung fremde Nahrung ein, und verwandelt
diese naturgemäss in den eigenen Kern, in das eigene
Blut und Gesäft. Marini dagegen, ein paar Jahrhunderte später
lebend, lässt sich schon von der abendländischen Form sowohl als
auch vom Inhalt bewältigen, gibt den eigenen Kern leicht obgleich
willenlos hin, und behält für sich nur das äussere Gewand, ja sogar
möchte ich sagen, einen blossen Schein zurück. Beide, wie wir
sehen, stehen einander schnurstraks gegenüber, der Eine wurzelt
im Osten, der Andere im Westen, jedoch reichen Beide einander
begeistert die Hand im Erglühen für die Kunst, im hohen Aufwallen
der Phantasie, in dem Ringen und Streben nach dem Grossen einer
Idee. Rieti und Marini, sie sind die Dante und die Ovid, nur in
hebräischer Umkleidung.
Rieti, blühend ungefähr ein Jahrhundert nach Dante, sog, wie
alle seine italienischen Landsleute, schon mit der Muttermilch die
Verehrung gegen die Schöpfungen Dante’s ein. In der frischesten
Bliithe seiner Jugend, in dem ersten Auffluge seiner erwachenden
Phantasie, unternahm er nichts Geringeres, als die beschwingten
Terzinen eines Dante in die hebräische Sprache zu überpflanzen,
in die Sprache seiner Väter, die Sprache seiner Religion und seiner