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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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nicht  wenigstens  über  dieselben?  Dante  und  üvid,  sage  ich,
sie  haben,  trotz  der  entgegengesetzten  Erwartungen,  in  der
hebräischen  Sprache  ihre  Vertreter  gefunden!  Sprache  und
Ausdruck,  Gedanke  und  Inhalt  sind  wohl  vom  Hebräischen  wie  der
Osten  vom  Westen  unterschieden,  aber  eben  darum  ist  es  um  so
merkwürdiger  zu  erblicken  den  Dante  und  den  Ovid  in  hebräischer ­
  Umkleidung.  Rieti  und  Marini,  sie  sind  die  Vertreter
des  Dante  und  Ovid  in  der  hebräischen  .Sprache,  sie  haben  die  unsterblichen ­
  Dichtungen  derselben  auch  in  der  hebräischen  Literatur
verewiget,  und  verdienen  daher  selber  nicht  weniger  an  solcher
Verewigung  Antheil  zu  haben.  Rieti  und  Marini,  sie  gaben
den  Dante  und  den  Ovid  in  hebräischer  Umkleidung.
Wir  bemerken  jedoch  gleich  zum  Voraus,  Rieti  gab  den  Dante,
Marini  den  Ovid  wieder,  aber  nicht  Beide  in  derselben  Weise,  sondern ­
  der  Eine  vielmehr  eigentliche  Uebersetzung,  der  Andere  eine
formgleiche  Nachbildung.  Rieti,  als  dem  tiefen  Born  altclassischer
Literatur  und  Bildung  näher  stehend,  wurzelt  mit  seinem  ganzen
Dichten  und  Denken  in  dem  noch  frisch  beackerten  einheimischen
Boden,  saugt  nur  zur  Selbsterhaltung  fremde  Nahrung  ein,  und  verwandelt ­
  diese  naturgemäss  in  den  eigenen  Kern,  in  das  eigene
Blut  und  Gesäft.  Marini  dagegen,  ein  paar  Jahrhunderte  später
lebend,  lässt  sich  schon  von  der  abendländischen  Form  sowohl  als
auch  vom  Inhalt  bewältigen,  gibt  den  eigenen  Kern  leicht  obgleich
willenlos  hin,  und  behält  für  sich  nur  das  äussere  Gewand,  ja  sogar
möchte  ich  sagen,  einen  blossen  Schein  zurück.  Beide,  wie  wir
sehen,  stehen  einander  schnurstraks  gegenüber,  der  Eine  wurzelt
im  Osten,  der  Andere  im  Westen,  jedoch  reichen  Beide  einander
begeistert  die  Hand  im  Erglühen  für  die  Kunst,  im  hohen  Aufwallen
der  Phantasie,  in  dem  Ringen  und  Streben  nach  dem  Grossen  einer
Idee.  Rieti  und  Marini,  sie  sind  die  Dante  und  die  Ovid,  nur  in
hebräischer  Umkleidung.
Rieti,  blühend  ungefähr  ein  Jahrhundert  nach  Dante,  sog,  wie
alle  seine  italienischen  Landsleute,  schon  mit  der  Muttermilch  die
Verehrung  gegen  die  Schöpfungen  Dante’s  ein.  In  der  frischesten
Bliithe  seiner  Jugend,  in  dem  ersten  Auffluge  seiner  erwachenden
Phantasie,  unternahm  er  nichts  Geringeres,  als  die  beschwingten
Terzinen  eines  Dante  in  die  hebräische  Sprache  zu  überpflanzen,
in  die  Sprache  seiner  Väter,  die  Sprache  seiner  Religion  und  seiner
            
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