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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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zehnten  Jahrhundert  bis  auf  Mendelssohn,  dess  umgestaltender  Einfluss ­
  auch  dorthin  wiederum  einwirkte,  oder  was  dasselbe  ist,  eine
Geschichte  der  italienisch-jüdischen  Literatur  als  Vermittlerinn
zwischen  der  maurischen  und  deutschen  Cultur-Periode,  würde
Vieles  zu  erörtern,  und  nicht  wenig  Interessantes  zu  besprechen
haben;  es  würde  ihre  Aufgabe  sein,  den  scheinbar  erloschenen
Funken  als  noch  lebhaft  flackernd  aufzuzeigen,  und  wie  die  spätere
helle  Lichtflamme  von  da  ihre  Nahrung  sog.  Es  würde  die  Aufgabe ­
  sein,  die  frühere  spanisch-arabische  Literatur  mit  der  spätem
deutschen  in  einen  zusammenhängenden  Connex  vermittelst  der
italienischen  zu  bringen,  so  dass  sowohl  Vor-  als  Rückschritte  darin ­
  ihre  befriedigende  Erklärung  fänden,  und  der  eine  Ton,  und
die  eine  Richtung,  und  der  eine  Zweck  in  dem  verschiedensten
Mannigfaltigen  sich  als  notlnvendig  vorhanden  vor  dem  Beobachter ­
  gestalte.
Unsere  Absicht  jedoch  ist  hier  nur  zwei  einzelne  Erscheinungen
zu  berühren,  deren  Merkwürdigkeit  bedeutend  genug  ist,  um  die
Aufmerksamkeit  der  gelehrten  Welt  auf  sich  zu  ziehen  ,  und  um
so  mehr,  als  wir  durch  die  heutige  Gelegenheit  vorzüglich  dazu
veranlasst  worden  sind.  Es  sind  zwei  Männer,  die,  wenn  sie  auch
bis  jetzt  in  äusserster  Vergessenheit  oder  auch  Unbekanntheit  geblieben, ­
  es  wegen  ihres  merkwürdigen  Auftretens,  und  zwar  in
entgegengesetzter  Richtung,  sehr  verdienen,  einmal  besprochen
und  für  immer  im  lebhaften  Angedenken  der  für  die  schöne
Literatur  sich  Interessirenden  erhalten  zu  werden.
Rieti  und  Marini,  beide  in  Italien  geboren  und  erzogen
im  strengsten  Rabbinismus  und  denselben  bis  zum  letzten  Hauch
ihres  Lebens  eifrig  betreibend,  waren  zugleich  durchglüht  von
den  Meisterwerken  italienischer  Poesie,  wurden  durch  dieselbe  zu
ähnlichen  Schöpfungen  in  der  eigenen  hebräischen  Sprache  angeregt ­
  und  lieferten  Werke,  welche  von  dem  edlen  Kunstsinn  ihrer
Urheber  sprechendes  Zeugniss  geben.  Werke,  die,  wenn  auch  dem
verewigenden  Griffel  der  Typenkunst  nicht  übergeben,  doch  für
nichts  Geringeres  bestimmt  sind,  als  für  die  Ewigkeit,  die  Ewigkeit ­
  einer  werthwürdigenden  und  werthkennenden  Nachwelt.
Dante  und  Ovid,  wer  kennt  diese  nicht?  Wer,  welcher
Nation  und  welcher  Bildungsschule  er  auch  angehören  mag,  genoss
nicht  einmal  den  unsterblichen  Saft  ihrer  Dichtungen,  oder  las
            
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