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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

nun  die  gedachte  Beschränkung  der  Zinsenforderungen  rechtfertigen ­
  au  können.  Bei  den  für  die  Production  aufgeborgten  Capitaleu
  sah  man  hohe  Zinsen  als  Hindernisse  oder  doch  als  Erschwerung ­
  ihrer  weiteren  Entwicklung  an,  da  sie  entweder  den  Gewinn
der  Geschäftsleute  ,  also  gerade  das  ,  was  sie  zur  Thätigkeit  bestimmt, ­
  schmälern  oder  gar  verschlingen  ,  oder  auf  den  Preis  der
Waaren  fallen,  sie  vertheuern  und  somit  deren  Absatz  und  dem
Handel  nachtheilig  werden.  Aber  als  noch  weit  dringender  stelle
sich  die  Nothwendigkeit  heraus,  bei  Nothsclnilden  den  Eigennutz
der  Capitalsbesitzer  zu  zügeln,  da  hohe  Zinsen  bei  diesen  die
Verlegenheiten  der  Aufborgenden  nur  vergrössern  ,  verlängern  und
endlich  vielfältig  den  gänzlichen  Ruin  der  Schuldner  herbeiführen.
Die  Zulässigkeit  von  Gesetzen,  welche  der  Gewinnsucht  Einzelner ­
  Schranken  setzen,  behauptet  man  ferner,  werde  auch  sonst
allgemein  anerkannt,  wo  damit  wichtige  Interessen  des  Volkes  gewahret ­
  werden  sollen.  Von  einer  gleichen  Maxime  gehe  man  aus,
wenn  für  die  Preise  nothwendiger  Lebensbedürfnisse
gesetzlich  ein  Maximum  (Polizeitaxe,  Salzung)  bestimmt  wird.
Um  wichtige  Volksinteressen  handle  es  sich  aber  bei  dem  Verkehre
mit  Capitalen  gewiss  auch,  bald  nämlich  um  jene  des  Aufblühens
der  Industrie,  bald  um  die  Rettung  von  Menschen  aus  ihren  Verlegenheiten, ­
  die  so  sehr  das  Mitgefühl  ihrer  Nebenmenschen  (nur
nicht  der  Wucherseelen)  in  Anspruch  nehmen.  —  Man  machte  dabei ­
  wohl  auch  die  Ansicht  geltend,  dass,  in  soferne  am  Capital-Markte
  eine  Collision  zwischen  den  Interessen  der  Capitalisten
und  der  Aufborgenden  obwalte  ,  man  sich  nothweudig  zu  Gunsten
der  letzteren  entscheiden  müsse,  da  man  in  den  Capitalisten  Leute
vor  sich  habe,  welche  nur  vom  fremden  Fleisse  mitzehren  ,  die
Fruchte  fremder  Industrie  im  Müssiggange  gemessen,  für  ihre
Person  aber  nichts  zum  allgemeinen  Wohlstände  beitragen.
Ausserdem  glaubte  man  zur  Erkenntniss  gekommen  zu  sein,
dass  die  Leichtigkeit,  gegen  Zusicherung  hoher  Zinsen  sich  frem-Capitale
  zu  bewirkende  Giitererzeugung,  sondern  auf  Verzehrung  oder
sonst  unproductive  Verausgabung  derselben  gerichtet  ist.  Darunter  sind
jedoch  viele  Schulden  begriffen,  die  nicht  in  Zahlungs-  oder  Subsistenz-Verlegenheiten,
  sondern  nur  aus  Leichtsinn,  Genusssucht  u.  s.  f.  contrahirt
  werden,  welche  letztere  man  daher  nicht  wohl  als  Nothschulden  bezeichnen ­
  kann.
            
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