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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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triebe  bei  dem  kaiserlichen  Hofe.  Kaiser  Ferdinand  III.  empfing
ihren  Abgeordneten  freundlich  ’).  Der  oberste  Kanzler  Graf  N  o  stiz
sagte  ihm:  „Nun  will  ich  S.  Maj.  sagen,  dass  auch  noch  ehrliche
beständige  Leute  in  Eger  sind;  nur  Geduld,  es  wird  sich  alles  wohl
schicken.”  Ferdinand  III.  erliess  hierauf  ein  Rescript  an  denStadtcommandanten
  Veit  Die  trieh  von  Steinheim;  er  solle,  da  Eger
noch  von  den  Schweden  besetzt  sei,  zwei  aus  dem  Rathe  vor  sich
fordern  und  ihnen  versichern,  dass  der  Kaiser  sie  bei  dem  jetzigen
Stande  in  geistlichen  und  weltlichen  Angelegenheiten  schützen
wolle 2 ).
Die  Protestanten  konnten  ungefährdet  ihren  Gottesdienst  in
Eger  fortsetzen.  Sie  verloren  zum  drittenmale  die  Freiheit  ihrer
Religion  durch  ihr  unruhiges  Benehmen.  Es  lag  einmal  die  Feindschaft ­
  gegen  das  Haus  Oesterreich  im  Marke  des  Protestantismus
jener  Zeit.  Durch  das  Simultaneum  in  der  Kirche,  wo  jede  Partei
sich  als  die  herrschende  betrachtete,  blieb  der  Streit  offen.  Zu
Weihnachten  1649  kam  es  zu  einem  Aufstande  in  der  Kirche.  Der
Stadtcommandant  liess  die  Lutherischen  durch  Soldaten  aus  der
Kirche  schaffen.  Sie  rächten  sich  und  verwechselten  in  öffentlichen
Kirchengebeten  den  Namen  des  Kaisers  mit  dem  der  Königinn  von
Schweden.  In  Folge  dieser  Vorgänge  und  der  Klage  des  Stadtrathes,
dass  die  Kirche  von  Katholiken  erbaut  sei,  und  nun  durch  den  lutherischen ­
  Gottesdienst  entweiht  würde,  erliess  Ferdinand  III.  den
Befehl,  wodurch  den  Protestanten  jeder  öffentliche  Gottesdienst
und  die  Hausandacht  untersagt  wurde 3 ).  Da  die  Prädikanten  hierauf ­
  geheime  Zusammenkünfte  mit  den  Bürgern  hielten,  wurden  sie
in  ihren  Häusern  streng  bewacht  und  der  Kaiser  befahl  endlich, ­
  sie  als  Leute,  die  nicht  ruhen  könnten  und  wollten,  aus
der  Stadt  zu  schaffen.  Am  9.  März  zogen  die  Prädikanten  unter
grossem  Zusammenlauf  des  Volkes,  Weinen  und  Schreien  der  Frauen
fort 4 ).  Mehrere  Bürger  geleiteten  sie  bis  Nürnberg.  Wenige  Tage
nachher  wurden  die  lutherischen  Rathsherren  Niklas  Meinerle  und
Sebastian  Reinl  vom  Amte  entfernt,  und  der  Stadtrath  vollständig

*)  Fase.  IX.  20.
2 )  27.  Aug.  1649.  Fase.  IX.  21.
3 )  24.  Jänner  1650.  Rieger  I.  310.
*)  Fase.  X.  5.  Sie  hatten  während  ihres  Aufenthaltes  300  Kinder  getauft.
            
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