Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

31

protestantisch,  später  wieder  katholisch  werden.  Die  sächsischen
Connnissäre  verlangten  im  Jänner  1632  eine  Brandschatzung  von
4000  fl.  und  wöchentlich  3000  fl.  für  den  Unterhalt  der  Garnison,
welche  durch  Infanterie  und  Cavallerie  verstärkt  wurde.  Der  Kurfürst ­
  wollte  die  Stadt  als  sächsische  Landstadt  erhalten.  Als  der
Rath  die  Huldigung  verweigerte,  wurden  die  Gassen  gesperrt,  von
Soldaten  besetzt.  Sie  mussten  den  Eid  ablegen.  Fast  ein  volles
Jahr  blieb  die  Stadt  in  der  Gewalt  der  Sachsen.  Sie  unternahmen
Streifzüge  in  das  flache  Land  in  die  Oberpfalz,  nahmen  Vieh,  Getreide ­
  weg,  plünderten  Marktflecken  4 ).
Erst  als  Wallenstein  1631  wieder  den  Oberbefehl  übernahm,
die  Sachsen  aus  Böhmen  verjagte,  die  Avantgarde  des  Heeres  unter
Heinrich  Freih.  v.  Holka  1632  an  die  Grenze  zog,  kam  Eger  wieder
in  kaiserliche  Gewalt.  Der  sächsische  Oberst  Starschedl  in  Eger
war  zur  Vertheidigung  entschlossen;  aber  nach  zweitägiger  Beschiessung
  capitulirte  die  Besatzung  gegen  freien  Abzug  und  Holka
zog  ein s ).  Die  Bürger  mussten  bei  Todesstrafe  die  Waffen  abliefern,
die  Stadt  wurde  als  eine  feindliche  behandelt,  da  sie  sich  ohne  Vertheidigung ­
  den  Sachsen  ergeben  hatte.  Holka  forderte  eine  Brandschatzung ­
  von  8000  Reichsthalern.  Die  Hälfte  der  Summe  wurde
in  Silber,  Geschmeide,  Kleinodien  gezahlt.  Die  Lieferungsbeiträge
verarmten  die  Bürger  noch  mehr,  Kriegscommissäre  sollten  das
Benehmen  der  Stadt  1631  untersuchen.  Die  Emigranten  waren
mit  den  Sachsen  wieder  ausgezogen  oder  früher  entflohen,  Mehrere
wurden  durch  die  Cordonaufsicht  zurückgebracht  und  mussten  sich
mit  der  Emigranten-Gebühr  lösen.  Das  Recht  der  Stadt,  von  Einquartierung ­
  und  Durchzügen  frei  zu  sein,  wurde  nicht  mehr  beachtet, ­
  die  Stadt  blieb  seitdem  nie  ohne  Besatzung  und  Commandanten.
Vom  Wallenstein’schen  Heere,  das-^^"-1632,30.000  Mann  stark,
ankam  und  seinen  Marsch  in  die  Öberpfalz  fortsetzte,  blieb  das
Regiment  Brenner  in  Eger.
Während  des  strengen  Winters  von  1633  auf  1634  bereitete
K.  Ferdinand  II.  jenen  folgenreichen  Umschwung  vor,  der  mit  dem
Falle  des  grossen  Feldherrn  enden  sollte.  Als  in  Folge  der  Aufforderung ­
  Gallas  die  meisten  Truppen  sich  von  Wallenstein  wendeten,

')  Mitterteich,  Tüschenreit,  Waldhassen.
“)  Chronik  der  Stadtkanzlei.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.