Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

376

von  einem  Knaben  spricht,  während  der  Herzog  damahls  deren
noch  zwei  hatte,  nämlich  Heinrich  und  Friedrich,
Für  die  Erziehung  beider  scheint  aber  bis  dahin  nicht  viel  geschehen ­
  zu  sein,  wie  Walther  wenigstens  bei  dem  einen  findet,  oder
man  müsste  annehmen,  dass  einer  der  beiden  mit  Vorliebe  sei  behandelt ­
  worden,  der  andere  nicht.  Für  diese  Annahme  scheint  aber
nichts  zu  sprechen.  Eher  dürfte  das  Zeugniss  der  Geschichte,  das
den  armen  Vater  an  beiden  Söhnen  wenig  Freude  erleben  lässt,
dagegen  und  für  die  Annahme  sprechen,  dass  beide  schon  von  früher ­
  Zeit  an  verwahrlost  wurden.  Diese  Erscheinung  genügend  zu
erklären,  dazu  reichen  unsere  spärlichen  Quellen  freilich  nicht  hin,
höchstens  darin  Hesse  sich  ein  Erklärungsgrund  finden,  dass  der
Vater  bei  seinen  vielen  Zügen  ausser  Landes,  so  1212  nach  Südfrankreich ­
  und  Spanien,  1213  zum  Kaiser  nach  Deutschland,  1214
nach  Lothringen  und  Brabant,  1215  abermals  nach  Deutschland,
endlich  1217  auf  zwei  volle  Jahre  ins  Morgenland,  während  zahlreiche ­
  Geschäftsreisen  im  Inneren  seiner  Länder  die  übrige  Zeit
gewaltig  in  Anspruch  nahmen,  nur  wenig  Müsse  hatte,  die  Erziehung ­
  seiner  Söhne  selbst  zu  überwachen.  Zudem  war  vielleicht
die  Mutter,  als  ein  Kind  des  entarteten  und  verweichlichten  griechischen ­
  Kaiserhauses  und  als  Fremde  wenig  geeignet,  die  Erziehung ­
  der  regen  Knaben  zu  leiten.
Dem  sei  nun  wie  ihm  wolle,  so  viel  steht  wenigstens  durch  das
Zeugniss  Walther’s  fest,  dass  einer  der  beiden  Söhne  ein  ungerathener
  zu  nennen  war.  Uns  liegt  nun  ob,  dieses  scharfe  Erkenntnis ­
  einem  von  beiden  zuzutlieilen.  Wie  aber,  wenn  unsere  Quellen,
wie  sie  nun  sind,  beide  verdammen  ?  Dann  scheinen  wir  mit  unserer
Vermuthung  auf  einen  Sohn  Leopold’s  nur  zu  sehr  vor  der  rechten
Schmiede  zu  stehen.  Wir  haben  dann  zwei  ungerathene  Söhne  für
einen,  eine  traurige  Bestätigung  unserer  Annahme.
Damit  verhält  siclis  nun  so.
Begreiflicher  Weise  geben  die  dürftigen  Quellen  unserer
Landesgeschichte,  namentlich  aus  so  früher  Zeit,  über  die  Nachkommen ­
  unserer  Fürsten,  so  lange  sie  minderjährig  sind,  in  der
Regel  höchstens  Geburts-  oder  Sterbe-Jahre  und  selbst  diese  häufig ­
  unzuverlässig.  Nur  dann,  wenn  diese  Nachkommen  auf  irgend
eine  Weise,  im  Guten  oder  Schlechten,  sich  ihrer  Zeit  bemerkbar ­
  machen,  wird  ihnen  zwischen  den  dürren  Nachrichten  über
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.