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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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losigkeit.  Dieser  Gegensatz,  in  den  beiden  Worten  'w  a  11’  und
‘v  e  1t’  niedergelegt,  stand  so  ausgedrückt  in  jener  Zeit  in  häufigem ­
  Gebrauche,  und  liegt  in  einer  allitcrirenden  Formel  noch
bestimmter  bezeichnet  zu  Tage,  in  einer  Formel,  in  welcher  statt
‘feld’  geradezu  'hof  gesetzt  wird,  so  dass  sich  in  ihr  der  Gegensatz ­
  'von  hof  und  holz’  das  ist  'hof  und  wald’  geradezu
für  die  Begriffe  'von  höfischer  Feinheit  des  Verstandes  und  der
Sitte  und  bäurischer  Stumpfheit  und  Unsitte’  allenthalben  im  Gebrauche ­
  zeigt.  Vergl.  Wackernagel  in  Haupt’s  Zeitschrift  2,  538.
Walther  sollte  also  ans  'riuten’,  bekennt  aber  offen  'ichn
kau  niht  riuten’.  Er  bittet  daher  den  Herzog  wiederholt,  ihn
'zc  velde’  und  'bi  den  liuten’,  also  wohl  des  Herzogs  '1  i  ut
  e  n,’  den  Leuten  am  Hofe,  die  ihn  gerne  bei  sich  sehen,  bei  denen
er,  der  höfische  Dichter,  gerne  weile,  zu  lassen.  Fassen  wir  nun
‘riu  ten’  im  gegebenen  Falle  als  'für  den  Hof  bilden,  erziehen’  auf,
und  denken  wir  an  das  in  unserem  früheren  Gedichte  ebenso  ehrlich ­
  gestandene,  ganz  parallele  'in  kan  dir  niht,’  so  wird  für
uns  wohl  kein  Zweifel  mehr  übrig  bleiben,  wo  Walther  nach  dem
Wunsche  seines  Gönners,  den  er  in  unserem  zweiten  Gedichte
geradezu  mit  Namen  nennt,  'riuten’  sollte.  Und  sagt  er  uns  denn
nicht  selbst  in  jenem  früheren  Gedichte  deutlich  genug,  dass  cs
da  nur  zu  viel  zu  'riuten’  gab?  so  dass  er  die  'ungevüege’
die  unverbesserliche  Roheit  oder  Plumpheit  seines  Zöglings  lange
genug  und  zu  seinem  bitteren  Schmerze  vor  den  Blicken  der  Hofleute ­
  in  der  Freundesbrust  bergen  musste?  gesteht  er  denn  nicht
offen,  dass  cs  hier  so  viel  zu  'riuten’  gab,  dass  er  an  seiner  eigenen ­
  Kraft  und  Befähigung  endlich  verzweifelte,  sich  dem  Riesenwerke
ungewachsen  fühlte,  was  er  ehrlich  in  den  trostlosen  Worten  gesteht ­
  'in  kan  dir  niht’,  die  unwillkürlich  an  jenes  'ichn  kan
niht  riuten’  gemahnen?
Gegen  diese  Schlüsse  und  Ansichten  wird  sich  von  vorne  herein ­
  nicht  viel  Erhebliches  einwenden  lassen,  es  tritt  nur  die  Frage
heran,  ob  ihr  Ergebniss  mit  der  geschichtlichen  Ueberlieferung
nicht  etwa  in  Widerspruch  gcrathe,  also  mit  den  in  dieser,  unabhängig ­
  von  unseren  Schlüssen  und  Vermuthungen,  gegebenen  bestimmten ­
  Verhältnissen.
Wir  wollen  uns  dieser  Probe  unserer  Rechnung  nicht  entziehen, ­
  sondern  jetzt,  nachdem  wir  unsere  Gedichte  in  diese  neue
            
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