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losigkeit. Dieser Gegensatz, in den beiden Worten 'w a 11’ und
‘v e 1t’ niedergelegt, stand so ausgedrückt in jener Zeit in häufigem
Gebrauche, und liegt in einer allitcrirenden Formel noch
bestimmter bezeichnet zu Tage, in einer Formel, in welcher statt
‘feld’ geradezu 'hof gesetzt wird, so dass sich in ihr der Gegensatz
'von hof und holz’ das ist 'hof und wald’ geradezu
für die Begriffe 'von höfischer Feinheit des Verstandes und der
Sitte und bäurischer Stumpfheit und Unsitte’ allenthalben im Gebrauche
zeigt. Vergl. Wackernagel in Haupt’s Zeitschrift 2, 538.
Walther sollte also ans 'riuten’, bekennt aber offen 'ichn
kau niht riuten’. Er bittet daher den Herzog wiederholt, ihn
'zc velde’ und 'bi den liuten’, also wohl des Herzogs '1 i ut
e n,’ den Leuten am Hofe, die ihn gerne bei sich sehen, bei denen
er, der höfische Dichter, gerne weile, zu lassen. Fassen wir nun
‘riu ten’ im gegebenen Falle als 'für den Hof bilden, erziehen’ auf,
und denken wir an das in unserem früheren Gedichte ebenso ehrlich
gestandene, ganz parallele 'in kan dir niht,’ so wird für
uns wohl kein Zweifel mehr übrig bleiben, wo Walther nach dem
Wunsche seines Gönners, den er in unserem zweiten Gedichte
geradezu mit Namen nennt, 'riuten’ sollte. Und sagt er uns denn
nicht selbst in jenem früheren Gedichte deutlich genug, dass cs
da nur zu viel zu 'riuten’ gab? so dass er die 'ungevüege’
die unverbesserliche Roheit oder Plumpheit seines Zöglings lange
genug und zu seinem bitteren Schmerze vor den Blicken der Hofleute
in der Freundesbrust bergen musste? gesteht er denn nicht
offen, dass cs hier so viel zu 'riuten’ gab, dass er an seiner eigenen
Kraft und Befähigung endlich verzweifelte, sich dem Riesenwerke
ungewachsen fühlte, was er ehrlich in den trostlosen Worten gesteht
'in kan dir niht’, die unwillkürlich an jenes 'ichn kan
niht riuten’ gemahnen?
Gegen diese Schlüsse und Ansichten wird sich von vorne herein
nicht viel Erhebliches einwenden lassen, es tritt nur die Frage
heran, ob ihr Ergebniss mit der geschichtlichen Ueberlieferung
nicht etwa in Widerspruch gcrathe, also mit den in dieser, unabhängig
von unseren Schlüssen und Vermuthungen, gegebenen bestimmten
Verhältnissen.
Wir wollen uns dieser Probe unserer Rechnung nicht entziehen,
sondern jetzt, nachdem wir unsere Gedichte in diese neue