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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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schlecht  von  der  Vogelweide  doch  nirgend  nachweisen  kann.'  Wir
wollen  sehen,  worauf  sich  Lachmann’s  Ucberzeugung  stützte,  die
er  mir,  dem  Oesterreicher,  im  Jahre  1843  in  Berlin,  nach  Vollendung ­
  der  zweiten  Ausgabe  seines  Walther,  persönlich  mit  freudiger
Zuversicht  mittheilte,  völlig  fremd  jener  kleinlichen  Vaterlandsliebe,
die  des  Nachbars  Zaun  schon  für  des  Vaterlandes  Grenze  hält.
Vor  Allem  kommt  in  Anschlag,  dass  Walther  32,  14  selbst
berichtet,  er  habe  seine  Bildung  zum  Dichter  in  Oesterreich  genossen, ­
  da  werde  ersieh  auch,  weil  man  ihn  jetzt  in  der  Ferne  nicht
nach  Gebühr  behandle,  zu  allererst  beklagen,  finde  er  bei  Leopold  VI.
Liebe  zur  höfischen  Kunst,  so  sei  er  wieder  frischen  Muthes.
Diese  Aeusserung  Waith  er’s  gehört  in  die  Jahre  1215  oder  1216.
’Ze  Öfterriche  lernt  ich  singen  unde  sagen  :  da  wil  ich  mich  allererst
beklagen  :  vind  ich  an  Liupolt  höveschen  tröst,  fö  iOt  mir  min  muot
entfwollen.’  Wir  sehen  aus  diesen  Worten,  dass  Walther  auch
in  der  Ferne,  er  weilte  damahls  am  Thüringer  Hofe  zu  Eisenach,
mit  Zuversicht  Schutz  bei  seinem  Landesherrn  hoffte  und  sich  nicht
schämte,  den  heimathlichen  Unterricht  offen  zu  bekennen,  mit  freudigem ­
  Stolze  zu  sagen,  wo  er  seine  Ausbildung  empfangen  habe.
Viel  schlagender  noch  ist  eine  zweite  .Stelle,  84,  IS,  in  welcher ­
  Walther  vom  Hoftage  zu  Nürnberg,  21.  Jänner  1217,  spricht.
Er  bemerkt  bei  dieser  Gelegenheit:  'um  die  Freigebigkeit  der
dort  versammelten  Fürsten  fragt  nicht  mich,  sondern  die  fahrenden
Sänger,  die  verstehen  cs,  so  etwas  genau  zu  erspähen.  Die  sagten
mir,  sie  zögen  mit  leeren  Taschen  von  dannen:  unsere  heimischen
Fürsten  seien  aber  so  glänzender  Art,  dass  Leopold  der  einzige
Freigebige  gewesen  wäre,  wenn  er  sich  nicht  entschuldigt  hätte,
dass  er  als  Gast  nicht  genug  bei  sich  habe.’  'umb  ir  milte  fraget
varndezvolc:  daz  kan  wol  fpelien,  die  feiten  mir,  ir  malhen  fchieden
  danne  kere:  unfer  heimfehen  fiirften  fin  fo  hovelucro,  daz  Liupolt ­
  eine  müeste  geben,  wan  der  ein  gast  da  wajre.’  Hier  ist  die
Bezeichnung  'unsere  heimischen  Fürsten’,  zumahl  mit  der  Hervorhebung ­
  LeopoUl's,  für  Walther’s  Heimath  entscheidend.
Nicht  minder  beweisend  sind  die  Anhaltspuncte  in  den  beiden
Strophen  des  folgenden  Spruches  S.  107,  17  bis  108,  5.  In  der
ersten  derselben,  welche  ihrem  Inhalte  nach  vor  den  Beginn  von
Walther’s  Wanderungen  rückt,  in  die  zweite  Hälfte  des  Jahres
1108,  beklagt  er  sich  über  einen  ungeschickten  Rathgeber,  der
            
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