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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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Hi*.  Joseph  Müller  liest  als  Gast:  „Ucber  einige
byzantinische  Urkunden.”
Es  ist  zu  bedauern,  dass  unter  Oesterreichs  Gelehrten  seit
Franz  Karl  Alter,  der  179ft  die  cditio  princeps  der  Geschichte
des  Phrantzes  in  Wien  veröffentlichte,  sich  keiner  berufen  gefühlt, ­
  seine  Müsse  dem  Studium  der  Geschichte  des  byzantinischen
Reiches  zu  widmen,  einer  Geschichte,  freilich  unerfreulich,  ja
Abscheu  erregend  durch  die  Gräuel,  die  jedes  ihrer  Blätter  beflecken; ­
  durch  die  Schwäche  des  Reiches,  die  häufigen  Palast-Intriguen,
  das  Weiber-  und  Ennuchenreginfent,  die  ewigen  Aufstände ­
  in  der  Hauptstadt  und  die  Willkür  der  Beamtenherrschaft
in  den  Provinzen,  endlich  durch  den  über  das  ganze  byzantinische
Volk  verbreiteten  mönchischen  Geist,  der,  indem  er  die  Weltverachtung ­
  als  die  hervorstechendste  Seite  des  Christenthums
auffasste,  das  irdische  Leben  tödtete  *),  oder  besser  gesagt,  vergiftete, ­
  der  bürgerlichen  Thätigkeit  alle  Kraft  entzog,  und  das
ganze  Reich  nahezu  in  ein  einziges  grosses  Mönchskloster  verwandelte; ­
  —  aber  doch,  in  ihrer  Starrheit  den  schroffsten  Gegensatz ­
  zur  regen  Entwicklung  der  abendländischen  Staaten  bildend,
von  höchster  Wichtigkeit  zum  Verständniss  der  Geschichte  des
gesummten  Mittelalters.  Fasst  man  dazu  ins  Auge,  dass  so
manche  Nation,  insbesondere  slavischer  Zunge,  die  in  feindlicher
Berührung  oder  in  friedlichem  Verkehre  mit  Byzanz  den  ersten
Samen  der  Kultur  empfing,  den  beglaubigten  Anfang  ihrer  Geschichte ­
  in  den  byzantinischen  Chroniken  sucht,  dass  die  Geschichte ­
  der  Länder  an  der  untern  Donau,  welche  einst  als
Provinzen  dem  Romäerreiche  einverleibt  waren  und  erst  spät,  unter
barten  Kämpfen,  zu  selbstständigen  Reichen  sich  emporsclnvangen,
ohne  genaue  Durchforschung  der  mittelgriechischen  Quellen  nicht
erschöpfend  dargestellt  werden  kann;  betrachtet  man  den  Zug  der
Kreuzfahrer  durch  österreichische  Lande,  die  Handelsbeziehungen
der  dalmatinischen  Städte  und  der  mächtigen  Republik  Venedig  zum
Reiche  der  Romäer,  endlich  das  Festsetzen  der  osmanischen  Türken ­
  in  Europa,  deren  Nachbarschaft  so  tief  und  verhängnissvoll
m  die  Geschicke  Oesterreichs  eingreifen  sollte,  so  wird  man  zu-)

  Gorres  Christliche  Mystik  I.  p.  189.
            
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