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Ein ähnlicher Spruch auf einer Glocke v. J. 1477. iVn Thomasthurme
zu Leipzig lautet: Vivos voco, Mortuos plango, Tonitru
quoque frango; — so auch:
Laudo Deum verum, plebem voco, convoco clerum Luctus
doque tonum laetitiaeque sonum ; — auf einer andern :
Defunctos ploro, pestem fugo, festa decoro. Im Deutschen:
In Freud und Leid
Bin ich bereit
In Noth und Tod
Bin ich der Bot!
Diess sind jedoch Sprüche des 15. und IG. Jahrhunderts.
Zu den ältesten Glocken, glaube ich, gehören die von St. Florian.
Da sie als so alt völlig unbekannt sind und noch nie beschrieben
wurden, und aus einer so ereignissvollen Zeit, wie die Friedrich’s
des Schönen, herrühren, so scheinen sie mir merkwürdig genug,
um genau beschrieben zu werden. Zu dieser Beschreibung füge
ich der Vollständigkeit wegen noch die der sämmllichen übrigen
Glocken in St. Florian , und wünsche, dass folgende Arbeit als
ein Beitrag, wenn auch ein geringer, zur Culturgeschichte von
Oberösterreich angesehen werden möchte, der vielleicht Andere
auffordern könnte, die noch unbekannten Monumente, und zu diesen
rechne ich vorzugsweise diese Glocken, zu beschreiben und
deren Kenntniss in weitere Kreise einzuführen.
I. 1 )
ANNO • DNI • MCCCXVIII • SVB IIAINRICO • PREPOSITODE XXVI
CENT6NARIIS FACTA SV.
Darauf folgen zwei leoninische 2 ) Hexameter.
exciTET gcclgsig fratrgs campana marig
SGMPGR ADORANDVM CANTANDVM SGV VIGILANDVM.
*) Taf. 11 von I—XIV.
2 ) Leoninische Verse heisst man gewöhnlich solche, deren Mitte und Ende
aut einen Reim ausgeht. Warum sie leoninische genannt werden , ist
noch nicht ermittelt. Wenn Du Cange Gloss. IV. 69 sagt: .„Leonini versus
sic forte nuncüpati, quorl inoenti fuerint a quodam Leone Poeta, qui
circa tempora Ludovici VII. vel Philippi Auijusli Regutn Franciae vixit"
so dürfte diess schon darum nicht wahrscheinlich sein , da Ludwig VII.
v. J. 1136 —1180 und sein Sohn Philipp August v. 1180 — 1223 regierte,