237
Dieses Denkmal wurde von St. Martin, einer Filiale von
St. Michael im Lungau, wo es in der Mauer des Friedhofes für
ungetaufte Kinder sich befand, in's Museum Carolino-Augusteum
zu Salzburg im Monate Mai d. J. gebracht.
Tafel V.
Dieses Monument ist vermuthlich so wenig gut erhalten,
dass selbst ein so guter Künstler, wie Herr Pezolt, nicht so
bestimmt die Vorstellung aulfassen und wiedergeben konnte, dass
ihre Deutung nicht zweifelhaft würde. Wie diess Monument .hier
vorgestellt ist, so lässt dasselbe eine dreifache Auslegung zu: die
eines Mithras-Monumentes; Mithras erscheint bekanntlich häufig
in der Stellung das linke Knie auf den Stier setzend, in der
rechten Hand immer im Begriffe, den Dolch dem Stier in die
Brust zu senken; der rückwärts sichtbare Rabe deutet ebenfalls
auf Mithras, wie die das Firmament darstellende Bogenform des
Monumentes. Auf Theseus, wie einige glauben, ist der Stein
nicht auszulegen; denn Theseus hält stets die Keule und nicht
einen Lagobolus. So ähnlich übrigens die Stellung mit dem
bekannten Werke des Canova zu Wien ist, die den Kampf des
Theseus mit dem Kentaar vorstellt, so muss man bedenken, dass
eine Auslegung neuer Werke aus alten, aber nicht alter aus neuen
zulässig, ist. Es bleibt also die dritte Erklärung noch übrig: mir
scheintfast eine gewöhnliche Jagdscene das wahrscheinlichste. Die
Jagd, das Symbol des menschlichen Lebens, ist dargestellt, indem
ein Jüngling, den Lagobolus erhebt, im Begriffe, denselben auf ein
wahrscheinlich voranlaufendes Thier zu schleudern, das ein Hund
aufgestöbert hat, welchen der Jüngling mit der linken Hand zurückzuhalten
sich bemüht.
Wie Tafel III von St. Martin in’s Museum zu Salzburg gekommen.
Tafel VI.
Enthält die Zeichnungen von erst unlängst dem Museum zu
Salzburg zugewachsenen Gegenständen , die mir Herr I J e z o 11
mittheilte.
1. Messer aus Eisen; in halber Grösse.
2. Handring; alles folgende ist aus Bronze und in der Grösse
des Originals.