200
dieses Wort von der Stadt ß 1 udenz in Vorarlberg, die bis zum
Jahre 1808 zum Churer Sprengel gehörte, wohl wegen der Lautähnlichkeit
ableiten. Wenn auch Kaiser Otto I. dem Bischöfe
Waldo zu Chur die Kirche in valle Drusiana in loco Pludenes
ddo. Quedlinburg am 8. April 940 *) geschenkt und dem
Bischof Harthert ddo. Fritzlar am 16. Jänner 958 (vgl. S 192)
das Münzrecht verliehen hatte, so folgt daraus noch nicht, dass
die Churer Bischöfe iii Bludenz eine Münzstätte besassen,
zumal die weltliche Gerichtsbarkeit über diese Stadt die Bischöfe
von Chur zu keiner Zeit ausübten , und die Stadt und Grafschaft
Bludenz zur Zeit, in der die Bluzger auftauchen, schon lange dem
Erzhause Oesterreich gehörten 3 ).
Der Bluzffer ist eine kleine Scheidemünze von sehr schlechö
tem Silbergehalte (Billon), die Landmünze in Graubünden. Er
erhielt ohne Zweifel seinen Namen vom h. Lucius, dem Patron
des Hochstiftes und der Stadt Chur, der auch auf älteren Münzen
der Bischöfe und der Stadt Chur als gekrönter, Scepter und
Reichsapfel tragender König (angeblich aus Britannien) abgebildet
ist. Das Wort Bluzger ist analog mit Cruciger und gleichsam aus
B1 uciger entstanden, nämlich numulus, qui B.(eatum) LVCium
gerit, Bluciger.
Die Bluzger vom ältesten Datum dürften, wie mir Herr Fl orian
Nett, Standescassier zu Chur, mittheilte , etw T a vom Jahre
1025 sein ; die jüngsten und letzten sind vom Jahre 1842.
Solche Bluzger schlugen: A. die Fürstbischöfe von
Chur; B. die Stad 1 Chur, und C. die Besitzer der Freiherrschaft
Haldenstein, sowohl ft) aus dem Hause Schauenstein-Ehrenfels,
als b) aus dem der Freiherren von Salis, wie
sie v. Haller Bd. II. 422 nacheinander namentlich aufgeführt hat.
Von jeder Gattung dieser Bluzger findet der Leser hier eine Abbildung.
1 ) Theodor v. Mohr, Archiv für die Geschichte der Republik Graubünden.
Chur 1850. Cod. diplom. N. 44.
2 ) Die Grafschaft Bludenz mit dem Thale Montavon kaufte bedingungsweise
Herzog Albrecht III. von Oesterreich von Albert dem Aeltern,
Grafen von Werdenberg-IIeiligenberg-Bludenz, um 5090 fl.
ddo. Ensisheim am 5. April 1394.