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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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fen,  beginnen  Malerei  und  Bildnerei  sich  noch  mehr  geltend  zu
machen.  Als  Gegenstände  derselben  finden  wir  in  der  Regel  den
Inhalt  der  hymnischen  und  epischen  Gedichte  und  der  Illustrationen
derselben  in  Tanz  und  Processionen.  Die  ältesten  Sculpturen  sind
stets  die  Reliefs.  Freistehende  Statuen  kommen  erst  spät  vor;  die
ältesten  sind  Säulen,  auf  welche  der  Kopf  und  die  Hände  befestigt
sind,  dergleichen  auch  Pausanias  als  altgepflegte  Denkmäler  auf
seinen  Reisen  durch  Griechenland  antraf,  und  die  als  Hermen  auch
in  der  Zeit  der  grössten  Kunstblüthe  fortbestanden.
Die  religiösen  Institutionen  des  Staates,  die  Ceremonien  bei
Opfern,  feierlichen  Regierungshandlungen,  die  man  weithin  sichtbar ­
  machen  will,  riefen  die  alte  Pyramidalform  hervor.  Das  Bedürfniss
  von  grossen  geschlossenen  und  bedeckten  Räumen  für  die
Versammlung  geistlicher  oder  weltlicher  Behörden  brachten  die
Tempel  hervor.  Der  Zweck,  das  Volk  zu  gewissen  Zwecken  zu
versammeln,  rief  die  Thiirme  ins  Leben,  die  jedoch  kriegerischen
Zwecken  ihre  besondere  Ausbildung  verdanken,  wie  denn  das  Kriegswesen ­
  der  Baukunst  vielfache  Förderung  gebracht  hat.  Im  nördliehen
  Europa  brachte  namentlich  auch  das  Klima  eigenthiimliche
Formen,  wie  z.  B.  das  Spitzdach  in  die  Architektur.
So  wie  nun  der  Staat  die  Wissenschaften  für  seine  Zwecke  in
Anspruch  genommen  hat,  so  war  dies  auch  mit  der  Kunst  der
Fall,  und  es  ist  ihr  daraus  wesentliche  Förderung  erwachsen,  wo
dies  der  Fall  war.  Die  Religionen  von  Indien,  Aegypten,  Europa
und  Altamerika  brachten  eigene  Kunstblüthen  hervor,  ja  sie  förderten ­
  theilsweise  die  Künste  sogar  auf  Kosten  der  Wissenschaft,
da  ihnen  die  Kunst  nie,  wie  letztere  zuweilen,  hemmend  entgegen ­
  trat.
Wissenschaften  und  Künste  aber  werden  da,  wo  sie  im  rechten ­
  Einklang  mit  den  übrigen  Einrichtungen  des  Staates  stehen,
denselben  nur  fördern,  und  mit  ihm  die  Völker  zu  höherer  Gesittung ­
  führen,  welche  in  einer  harmonischen  Entwicklung  aller  in
den  Menschen  von  der  Vorsehung  gelegten  Triebe  und  Anlagen,
Gefühle  und  Kräfte  und  in  deren  Rückwirkung  auf  die  Gestaltung ­
  aller  menschlichen  Verhältnisse  in  naturgesetzmässiger  Weise
besteht.
Wir  finden  dann,  dass  der  .Staat,  der  ursprünglich  aus  der
Familie  erwachsen,  nachdem  er  die  mannigfaltigsten  Formen,  als
            
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