Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

183

sich  als  Söhne  der  Götter  kund,  und  die  passiven  Stämme  fanden
in  ihrer  geistigen  und  leiblichen  Ueberlegenheit,  namentlich  in  der
weissen  Hautfarbe  derselben  einen  schlagenden  Beweis.  Zu  den
alten  Naturgottheiten  kamen  nun  neue  geschichtliche  Götter.
Die  Anordnung  von  Zucht  und  Sitte,  der  ehelichen,  ja  der
ökonomischen  und  diätisclien  Verhältnisse,  von  Recht  und  Vertrag
erhielt  von  den  Herrschern  dadurch  eine  höhere  Weihe,  dass  sie
ihre  Gesetze  als  Verordnungen  der  Gottheit  hinstellten.  Zoroaster,
Menu,  Moses  und  Mohammed,  so  wie  Osiris  und  die  Incas  übergaben ­
  ihr  Gesetz  als  den  Ausfluss  göttlichen  Willens.  Der  Abschluss
von  Verträgen,  die  Einsetzung  von  Beamten,  der  Beginn  grösserer
Unternehmungen  wurde  mit  religiösen  Ceremonien  gefeiert.  Gewisse ­
  Tage  waren  der  Verehrung  der  Naturgötter,  andere  der  der
Vorfahren  gewidmet;  man  brachte  den  Gottheiten  seinen  Dank  für
gesegnete  Ernte  und  gelungene  Unternehmungen,  und  rief  deren
Beistand  bei  dem  Beginn  anderer  an,  oder  bei  drohenden  Gefahren
und  vorhandenem  Elend  und  Unglück.  Endlich  suchte  man  aber
auch  in  zweifelhaften  Fällen,  bei  Rechtshändeln  durch  die  Ordalien,
bei  Kriegszügen,  bei  neuen  Einrichtungen  den  göttlichen  Willen
durch  feierliche  Befragung  zu  erforschen,  und  so  entstanden  die
Orakel  der  Aegypter  und  Griechen  und  die  Haruspicien  der  Etrusker, ­
  welche  auch  die  Römer  beibehielten  und  die  das  christliche
Europa  von  ihnen  erbte.
In  der  Geschichte  der  Staaten  wiederholt  sich  die  Geschichte
der  Familie.  Je  abgeschlossener  eine  Familie  in  sich  ist,  desto
sicherer  ist  ihr  Bestehen  und  desto  glücklicher  ist  sie,  w r enn  nur
sonst  ihre  Elemente  gesund  sind.  Die  Staaten  von  Aegypten,  China,
Japan,  Anahuak  und  Peru  sind  glänzende  Belege  für  diesen  Satz.
Allerdings  liegen  in  jedem  physischen,  wie  in  jedem  moralischen
Organismus  die  Keime  zu  seiner  künftigen  Auflösung.  Was  einen
Anfang  hat,  dem  ist  auch  ein  Ende  sicher.  Je  vollkommener  ein
Organismus,  je  harmonischer  seine  Theile,  je  einfacher,  desto
länger  ist  sein  Bestehen  möglich,  wie  wir  an  den  edlen  Metallen,
den  Edelsteinen,  der  Seide,  dem  Ebenholz,  den  Zähnen  gegenüber ­
  dem  Süsswasser,  dem  Blut,  den  Blumen  u.  s.  w.  bemerken.
So  lange  eine  Familie  eine  Gesellschaft,  ein  Staat  die  Kraft
hat,  die  ihm  feindseligen  von  Aussen  her  eindringenden,  oder  in
seinem  Innern  erwachsenden  fremdartigen,  ihm  verderblichen  Stoffe
KJ*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.