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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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betrieben  werden,  dem  Feuer  wird  fortan  ein  grösserer  Raum  gestattet. ­
  Die  Werkzeuge  werden  kräftiger,  wirksamer,  schärfer;
manche  Werkzeuge  und  Geräthe  gewinnen  eine  andere  Besimmung,
der  Schlauch  wird  zum  Blasebalg,  die  Nadel  zum  Bohrer,  aus  dem
Messer  wird  Sichel  und  Sense,  aus  der  Axt  der  Hammer,  die
Spitzhaue  und  die  Gabel;  der  Mensch  wird  in  den  Stand  gesetzt,
an  die  Stelle  der  Schleife  Räder  zu  bringen,  das  Rad  entwickelt
neue  Ideen  für  Hebung  des  Wassers,  und  so  entsteht  aus  dem  Rade
die  Mühle,  und  es  entspringen  daraus  die  Maschinen  für  die  mannigfaltigsten ­
  Zwecke.
Nahrung,  Kleidung,  Schmuck,  Wohnstätte,  Fahrzeuge,  Gefässe
  und  Werkzeuge,  das  sind  die  sachlichen  Grundlagen  des  gesammten
  menschlichen  Lebens,  und  die  Betrachtung  ihrer  Entstehung ­
  und  Entwickelung,  das  würde  der  erste  Abschnitt  der  Aufgabe ­
  sein,  welche  die  Culturwissenschaft  zu  lösen  hat.
Der  zweite  Abschnitt  dagegen  würde  sich  mit  den  Zuständen
zu  beschäftigen  haben,  welche  aus  dem  wechselseitigenVerkehr
  der  Menschen  hervorgehen.  Zu  einem  vollständigen  menschlichen ­
  Individuum  gehört  ein  Mann  und  eine  Frau,  zwei  ein  Ganzes ­
  bildende  Hälften.
Aus  der  fortgesetzten  Gemeinschaft  von  Mann  und  Frau  erwachsen ­
  Kinder,  die  mit  den  Eltern  zusammen  die  Familie  bilden,
aus  welcher  sich  die  Geschlechter,  Stämme  und  Völkerschaften
entwickeln,  aus  denen  endlich  die  Reiche  und  Staaten  erstehen,
wenn  die  active  Race  als  männliche  Hälfte  der  Menschheit  in  Gemeinschaft ­
  mit  der  passiven  oder  der  weiblichen  Hälfte  derselben
zusammentrifft.  Es  ist  zwischen  beiden  Hälften  von  der  Vorsehung
namentlich  ein  Quantum  von  geistiger  Kraft  dergestalt  verlheilt  worden, ­
  dass  die  Willenskraft,  der  thätige  Muth,  die  Rücksichtslosigkeit
gegen  Gefahren,  Kühnheit,  Forschungstrieb  der  männlichen  cigcnthümlich
  sind,  es  entspricht  diese  geistige  Organisation  der  körperlichen ­
  an  stärkeren  und  kantigeren  Knochen  und  Muskeln,  der
durchschnittlich  grösseren  Gestalt.  Dem  weiblichen  Geschlecht
theilte  die  Vorsehung  dagegen  grössere  Fülle  des  Gemüthes  zu,  und
ihm  sind  die  Gefühle  der  Scham  ,  des  Mitleidcns,  der  Liebe  vorzugsweise ­
  cigenthümlich.  Mann  und  Frau  ergänzeu  sich  auch  in  dieser ­
  Beziehung  gegenseitig  der  übrigen  menschlichen  Gesellschaft
gegenüber,  wo  sie  als  Ehepaar,  als  moralische  Person  erscheinen.
            
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