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dessen Haar, Wolle oder Kraft er in Anspruch genommen, für
spätere Benutzung sich aufheht.
Die Sagen der Völker stellen gemeiniglich als das wichtigste
Ereigniss nach der Schöpfung des Menschen die Erfindung des
Feuers; sie bezeichnen damit gewissermassen das Feuer als den
Anfangspunct menschlicher Arbeit und Thätigkeit, sowie als seinen
ältesten Gefährten bei Bereitving seiner Nahrungsmittel, Gerätlie,
Gefässe, Werkzeuge u. s. w.
Die Culturgeschichte hat die Aufgabe, alle die Thatsachen
und Erscheinungen in ihrer Aufeinanderfolge darzustellen,
welche die Entwickelung des Menschengeschlechtes erzeugt, und
die Zustände zu schildern, die dasselbe allgemach in seinen Gliedern
durchlebt hat. Sie beginnt mit den niedern Stufen der Menschheit
und schreitet zu den höheren fort.
Die CulturWissenschaft dagegen hat die Aufgabe Erscheinungen
darzustellen, welche in der Entwickelung der von der
Vorsehung in den Menschen gelegten Kräfte gegenüber der Natur
hervortreten, die Ursachen derselben im Menschen und in der Natur
aufzusuchen und die Gesetze nachzuweisen, nach denen diese
Wechselwirkung stattfindet.
Die Culturwissenschaft ist wie die Naturwissenschaft eine
Wissenschaft der Erfahrung, die auf der Anschauung von
Thatsachen beruht. Ihr Gegenstand ist nicht eine einzelne Race,
ein einzelner Staat, ein Erdtheil. Sie hat die Aufgabe, die
Menschheit der Natur gegenüber als ein Ganzes, als
ein Individuum darzustellen. Während nun die Culturgeschichte
dieses Individuum in seiner chronologischen Entwicklung,
nach den verschiedenen Zuständen derselben, als Kind, Jüngling,
Mann, Greis betrachtet, hat die Culturwissenschaft dasselbe
nach seinen Beschäftigungen, z. B. bei der Erwerbung und Bereitung
der zu Befriedigung seiner Triebe nothwendigen Bedürfnisse,
als Familie, als Staat, in Krieg und Frieden, bei seinem Forschen
und Dichten, Träumen und Denken aufzufassen, mit einem Wort,
seine gesammte Thätigkeit zur Anschauung zu bringen.
Versuchen wir dies durch nähere Betrachtung des Gegenstandes
deutlicher zu machen, indem wir den Gang bezeichnen, den
die Entwicklung einer allgemeinen Culturwissenschaft zu nehmen
hat, und indem wir die Gliederung des Stoffes begiunen.