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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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dessen  Haar,  Wolle  oder  Kraft  er  in  Anspruch  genommen,  für
spätere  Benutzung  sich  aufheht.
Die  Sagen  der  Völker  stellen  gemeiniglich  als  das  wichtigste
Ereigniss  nach  der  Schöpfung  des  Menschen  die  Erfindung  des
Feuers;  sie  bezeichnen  damit  gewissermassen  das  Feuer  als  den
Anfangspunct  menschlicher  Arbeit  und  Thätigkeit,  sowie  als  seinen ­
  ältesten  Gefährten  bei  Bereitving  seiner  Nahrungsmittel,  Gerätlie,
  Gefässe,  Werkzeuge  u.  s.  w.
Die  Culturgeschichte  hat  die  Aufgabe,  alle  die  Thatsachen
  und  Erscheinungen  in  ihrer  Aufeinanderfolge  darzustellen,
welche  die  Entwickelung  des  Menschengeschlechtes  erzeugt,  und
die  Zustände  zu  schildern,  die  dasselbe  allgemach  in  seinen  Gliedern ­
  durchlebt  hat.  Sie  beginnt  mit  den  niedern  Stufen  der  Menschheit ­
  und  schreitet  zu  den  höheren  fort.
Die  CulturWissenschaft  dagegen  hat  die  Aufgabe  Erscheinungen ­
  darzustellen,  welche  in  der  Entwickelung  der  von  der
Vorsehung  in  den  Menschen  gelegten  Kräfte  gegenüber  der  Natur
hervortreten,  die  Ursachen  derselben  im  Menschen  und  in  der  Natur ­
  aufzusuchen  und  die  Gesetze  nachzuweisen,  nach  denen  diese
Wechselwirkung  stattfindet.
Die  Culturwissenschaft  ist  wie  die  Naturwissenschaft  eine
Wissenschaft  der  Erfahrung,  die  auf  der  Anschauung  von
Thatsachen  beruht.  Ihr  Gegenstand  ist  nicht  eine  einzelne  Race,
ein  einzelner  Staat,  ein  Erdtheil.  Sie  hat  die  Aufgabe,  die
Menschheit  der  Natur  gegenüber  als  ein  Ganzes,  als
ein  Individuum  darzustellen.  Während  nun  die  Culturgeschichte ­
  dieses  Individuum  in  seiner  chronologischen  Entwicklung, ­
  nach  den  verschiedenen  Zuständen  derselben,  als  Kind,  Jüngling, ­
  Mann,  Greis  betrachtet,  hat  die  Culturwissenschaft  dasselbe
nach  seinen  Beschäftigungen,  z.  B.  bei  der  Erwerbung  und  Bereitung ­
  der  zu  Befriedigung  seiner  Triebe  nothwendigen  Bedürfnisse,
als  Familie,  als  Staat,  in  Krieg  und  Frieden,  bei  seinem  Forschen
und  Dichten,  Träumen  und  Denken  aufzufassen,  mit  einem  Wort,
seine  gesammte  Thätigkeit  zur  Anschauung  zu  bringen.
Versuchen  wir  dies  durch  nähere  Betrachtung  des  Gegenstandes ­
  deutlicher  zu  machen,  indem  wir  den  Gang  bezeichnen,  den
die  Entwicklung  einer  allgemeinen  Culturwissenschaft  zu  nehmen
hat,  und  indem  wir  die  Gliederung  des  Stoffes  begiunen.
            
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