156
Hr. Regierungsrath Arneth liest einen „Bericht über
die Gräber bei Bruck an der Leitha. (Taf. I.)
Der k. k. Bezirkshauptmann zu Bruck an der Leitha, Herr
Waid eie, berichtet an den k. k. Statthalter Herrn Dr. Emmiug
e r über die Entdeckung römischer Gräber. Der k. k. Herr Statthalter
hatte die Güte, dem Direetor des k. k. Münz- und Antiken-Cabinets
die Anzeige Herrn Waidele’s mitzutheilen, worauf der
Amanuensis dieser Anstalt, Herr Dr. Eduard Freiherr v. Sacken,
sogleich an Ort und Stelle geschickt wurde, um die Sachlage zu
erforschen. Hierüber erstattet Baron v.Sacken folgenden Bericht
unter Beigabe der Zeichnung von den gefundenen Gegenständen.
Bericht über die bei Bruck an der Leitha im Frühjahre 1851 aufgefundenen
römischen Gräber.
(Mit einer lithographirten Tafel.)
Wenige hundert Schritte östlich von der Stadt Bruck an der
Leitha, jenseits des Flusses (also auf ungrischem Boden) an
einem kleinen Bergabhange wurden im April 1. J. Erdabgrabungen
vorgenommen, bei denen man auf Gräber stiess, welche reihenweise
geordnet erschienen, eine Reihe von der andern ungefähr
12' entfernt; die Skelette lagen auf dem Rücken, das Gesicht nach
Osten gekehrt. Die Gräber selbst sind von dreierlei Art, mit
Steinplatten ausgemauert, mit Ziegeln ausgelegt, und ohne Verkleidung
des innern Raumes, wo also die Leichname einfach in
die Erde gelegt wurden; im Ganzen wurden bis jetzt gegen 30 Gräber
aufgefunden. Die ersten sind mit 2—V-/J im Quadrat grossen,
5—6" dicken, roh behauenen Steinplatten ausgemauert; sie sind
5' 3"—5' 6" lang, bei 3' breit und eben so tief. Jede Schmalseite
besteht aus einem einzigen Steine; bei zwei Gräbern hat der Stein
an der Fussseite eine seichte, aus zwei Rundbogen bestehende
Vertiefung eingemeisselt (Fig. 2). Die Gebeine waren in allen in
grosser Unordnung, augenscheinlich durcheinander geworfen;
weder Münzen noch andere Gegenstände wurden dabei gefunden;
die Deckel, welche auch aus Steinplatten bestanden, sind theils
zerschlagen, theils fehlen sie ganz. Diese scheinen mit Inschriften
und Bildwerk versehen gewesen zu sein, denn man fand in einem
Grabe das Bruchstück eines grossen Grabsteines, auf dem man den
Unterthcil einer stehenden Figur im langen Mantel sieht; darunter
die verstümmelte Inschrift: