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Der kluge König suchte Zeit zu gewinnen, und da er
wusste, dass die Angelegenheit des Kreuzzuges das Hauptmotiv
war, welches den Papst zur unverzüglichen Besetzung des römischdeutschen
Kaiserthrones (als Ober-Feldherrn der Kirche) antrieb,
so liess er durch Bischof Bruno dem Papste den Vorschlag machen,
er wolle sich zum Zuge ins heilige Land sogleich rüsten und
vorbereiten, wozu freilich längere Zeit nöthig sein werde; nach
vier Jahren hoffe er zum Dienste Christi bereit zu sein. Der heilige
Vater werde in Anerkennung seiner Bereitwilligkeit, sich seinem
Ausspruche in Betreff des Verhältnisses gegen den neu erwählten
deutschen König, der um seiner Lande willen ihn belange,
zu unterwerfen, erst nach reiflicher Erwägung der beiderseitigen
Rechte ein Urtheil fällen wollen, bis dorthin werde man ihn
nicht beschweren, eben in Rücksicht auf seine Unterwerfung. —
Nach seiner Zurückkunft von dem Kreuzzuge möge der heilige
Vater in dieser Angelegenheit entscheiden nach Gott und Billigkeit.
— Der Bischof suchte dem Papste das Erspriessliche eines
solchen Aufschubs einleuchtend zu machen, damit nicht das heilige
Geschäft (der Kreuzzug) gehindert werde *).
Dieses Schreiben konnte seinen Zweck nicht erreichen,
weil ein längerer Aufschub der Erklärung des Papstes geradezu
unmöglich war und der Clerus selbst nur zu wohl fühlte, dass
es sich hier um seine politische Existenz handle, — die allerdings
wenigstens in den ottokar’schen Landen auf dem Spiele stand.
Nur durch den wohlgesinnten, dabei aber seiner Unterstützung
bedürfenden König Rudolph konnte der deutsche Clerus hoffen,
*) Siebe die vortreffliche Auseinandersetzung dieses feinen meisterhaft diplomalischen
Schreibens bei Kopp I. S. 84—87. — Ich schliesse eben aus dieser
Wendung Ottokars und seiner Freunde, dass es sieb durchaus nicht
bloss um Behauptung der Wahlstimme gehandelt habe. — So klug
war Ottokar schon, einzusehen, dass er als einzelner Wähler sich hätte
der Majorität fügen müssen, dann wäre seine ganze Haltung gleich vom
Anfänge eine andere gewesen. — Seine Ansprüche waren unmittelbar auf
die Krone gerichtet, die nach seiner Ansicht dem Mächtigsten gebührte
I — Rudolph nennt selbst Oüokar seinen ..Aemulus” — Mitbewerber.
Als Ottokar sah, dass er mit seinen Ansprüchen nicht durchdringen
könne, suchte er um jeden Preis sich und seine Lande vom römischdeutschen
Reiche gänzlich unabhängig zu machen. Diess die Sachlage.
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Sitzb. d. phil. hist. CI. VII. ßd. I. Heft.
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