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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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Der  kluge  König  suchte  Zeit  zu  gewinnen,  und  da  er
wusste,  dass  die  Angelegenheit  des  Kreuzzuges  das  Hauptmotiv
war,  welches  den  Papst  zur  unverzüglichen  Besetzung  des  römischdeutschen
  Kaiserthrones  (als  Ober-Feldherrn  der  Kirche)  antrieb,
so  liess  er  durch  Bischof  Bruno  dem  Papste  den  Vorschlag  machen,
er  wolle  sich  zum  Zuge  ins  heilige  Land  sogleich  rüsten  und
vorbereiten,  wozu  freilich  längere  Zeit  nöthig  sein  werde;  nach
vier  Jahren  hoffe  er  zum  Dienste  Christi  bereit  zu  sein.  Der  heilige ­
  Vater  werde  in  Anerkennung  seiner  Bereitwilligkeit,  sich  seinem ­
  Ausspruche  in  Betreff  des  Verhältnisses  gegen  den  neu  erwählten ­
  deutschen  König,  der  um  seiner  Lande  willen  ihn  belange,
zu  unterwerfen,  erst  nach  reiflicher  Erwägung  der  beiderseitigen ­
  Rechte  ein  Urtheil  fällen  wollen,  bis  dorthin  werde  man  ihn
nicht  beschweren,  eben  in  Rücksicht  auf  seine  Unterwerfung.  —
Nach  seiner  Zurückkunft  von  dem  Kreuzzuge  möge  der  heilige
Vater  in  dieser  Angelegenheit  entscheiden  nach  Gott  und  Billigkeit. ­
  —  Der  Bischof  suchte  dem  Papste  das  Erspriessliche  eines
solchen  Aufschubs  einleuchtend  zu  machen,  damit  nicht  das  heilige
Geschäft  (der  Kreuzzug)  gehindert  werde  *).
Dieses  Schreiben  konnte  seinen  Zweck  nicht  erreichen,
weil  ein  längerer  Aufschub  der  Erklärung  des  Papstes  geradezu
unmöglich  war  und  der  Clerus  selbst  nur  zu  wohl  fühlte,  dass
es  sich  hier  um  seine  politische  Existenz  handle,  —  die  allerdings ­
  wenigstens  in  den  ottokar’schen  Landen  auf  dem  Spiele  stand.
Nur  durch  den  wohlgesinnten,  dabei  aber  seiner  Unterstützung
bedürfenden  König  Rudolph  konnte  der  deutsche  Clerus  hoffen,

*)  Siebe  die  vortreffliche  Auseinandersetzung  dieses  feinen  meisterhaft  diplomalischen
  Schreibens  bei  Kopp  I.  S.  84—87.  —  Ich  schliesse  eben  aus  dieser ­
  Wendung  Ottokars  und  seiner  Freunde,  dass  es  sieb  durchaus  nicht
bloss  um  Behauptung  der  Wahlstimme  gehandelt  habe.  —  So  klug
war  Ottokar  schon,  einzusehen,  dass  er  als  einzelner  Wähler  sich  hätte
der  Majorität  fügen  müssen,  dann  wäre  seine  ganze  Haltung  gleich  vom
Anfänge  eine  andere  gewesen.  —  Seine  Ansprüche  waren  unmittelbar  auf
die  Krone  gerichtet,  die  nach  seiner  Ansicht  dem  Mächtigsten  gebührte ­
  I  —  Rudolph  nennt  selbst  Oüokar  seinen  ..Aemulus”  —  Mitbewerber. ­
  Als  Ottokar  sah,  dass  er  mit  seinen  Ansprüchen  nicht  durchdringen
könne,  suchte  er  um  jeden  Preis  sich  und  seine  Lande  vom  römischdeutschen ­
  Reiche  gänzlich  unabhängig  zu  machen.  Diess  die  Sachlage. ­
  —
Sitzb.  d.  phil.  hist.  CI.  VII.  ßd.  I.  Heft.

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