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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 7. Band, (Jahrgang 1851)

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Passaii  befanden  sich  mithin  einem  solchen  Herrscher  gegenüber
mit  ihren  Immunitäten,  ihren  Ansprüchen  auf  Unabhängigkeit  lind
Selbstständigkeit  in  der  schwierigsten  Stellung;  es  musste  früher
oder  später  zum  Conflicte  kommen  und  wir  werden  sehen  ,  dass
der  Sturz  Ottokars  gerade  diesem  schroffen  Gegensätze  zuzuschreiben ­
  sei.
Jetzt  aber  müssen  wir  die  Politik  der  römischen  Curie  gegenüber ­
  den  Fürsten  und  ihren  Ansichten  und  Ansprüchen  weiter  verfolgen. ­

Rom  hatte  nur  über  geistige  Mittel  zu  verfügen,  über  Meinungen, ­
  Ueberzeugung,  Glauben;  dass  diese  zu  Zeiten  den  materiellen ­
  das  Gleichgewicht,  ja  wie  die  Geschichte  lehrt,  auch
nicht  selten  das  Ueber  ge  wicht  über  sie  erhalten  können,
ist  einleuchtend  J ).
Auch  König  Alfons  von  Castilien,  der  nie  nach  Deutschland ­
  gekommen  war,  äusserte  plötzlich  das  Vorhaben,  auch  an
dem  Kreuzzuge  Theil  zu  nehmen,  ohne  Zweifel  um  des  Papstes
*)  Raynaldus  XIV.  ad  a.  1273.  37.  führt  das  kluge  Antwortschreiben  des
Papstes  an,  aus  welchem  man  sieht,  dass  er  bei  aller  Festigkeit  und  Consequenz
  doch  die  hohe  Stellung  und  Macht  des  Königs  wohl  im  Auge  hatte;
es  bedurfte  dem  anspruchsvollen  Ottokar  II.  gegenüber  allerdings  nicht
gemeiner  Klugheit  und  Vorsicht,  dass  diese  der  römischen  Politik  in  ausgezeichnetem ­
  Grade  zu  Gebote  stand  ist  wohl  jetzt  so  ziemlich  allgemein
anerkannt.  „Considera  et  excitatum  in  te  a  Domino  spiritum  ne  extinguas,”
sagt  er  schliesslich  dem,  der  einerseits  den  Kreuzzug  unternehmen  wollte,
aber  andererseits  die  Kaiserwürde  forderte,  „nec  a  quibuscumque  te  a
„tarn  salutari  proposito  retrahere  volentibus  patiaris  extingui,  sed  susur-„ronibus,
  quae  sunt  sua  quaerentibus  non  quae  Christi,  resiste  viriliter:
„et  ut  non  impinguet  peccatoris  oleum  caput  tuum,  nequaquam  ipsoruin
„adulationibus  acquiescas,  quin  potius  in  ipsarum  regali  exordio  regali
„Constantia  confutes  eosdem.  Caeterum  super  sedalione  discordiae,  de
„qua  celsidudini  tuae  alias  scripsimus  et  tu  etiam  respondisti,  cito  quod
„expedire  credinius  curabimus  plenius  intimare,  et  nihilominus  nuntii  tui
„latores  praesentium  interim  aliqua  referent  viua  voce.’’  —  Wahrscheinlich ­
  bezieht  sich  das  Letztere  auf  die  Reibungen  mit  dem  Erzbischöfe
Friedrich  II.  von  Salzburg.  —  Leider  sind  die  Actenstücke  und  Briefe
aus  dieser  Zeit  höchst  unvollständig  und  lückenhaft.  —  Den  oben  angeführten ­
  Brief,  welchen  Raynald  zum  Jahre  1273  setzt,  setzt  Palacky  nach
dem  Regestum  Berardi  de  Neapoli  (ep.313,  bei  Palacky  Nro.33S  N.  Abhdl.  I.
S.  43)  ins  Jahr  1274  s.  die.  —  Jedenfalls  gehört  er  in  den  Anfang  des
Jahres  (1274).
            
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