Sitzungsberichte
der
philosophisch- historischen Classe.
Sitzung vom 4. Juni 1851.
Hr. Dr. Adam Wolf liest als Gast die Fortsetzung seiner:
„Reformationsgeschichte von Eger.” J )
In Böhmen waren in der Reformationszeit die religiösen Verhältnisse
am frühesten im Egerer und Eibogner Kreise in’s
Gleichgewicht gekommen. Der Protestantismus hatte dort seit den
Jahren 1564, 1572 alle Volksschichten durchdrungen. Durch den
Kauf des Deutschen Hauses hatte die Stadt Eg er das Patronatsrecht
über die Landpfarren erworben; es gab keine katholische
Pfarrei mehr im Lande; nur in den Klöstern wurde noch der katholische
Gottesdienst gefeiert. ImGanzen blieben Stadt und Land von den
gefährlichen Schwingungen des kirchlichen Geistes in Böhmen bis
in die Jahre 1610 und 1611 unberührt. Bei dem Einfalle der Passauer
Truppen wurden Bürger und Bauern bewaffnet, Kriegsvorrath
angeschafft, Büchsenmeister aus Nürnberg verschrieben. Im April
1611 reiste eine Deputation der Stadt nach Prag 2 ), um vom König
Matthias die freie Ausübung der augsburgischen Confession und
durch Intercession der Stände die Einschaltung in den Maj estätsbri
ef zu erbitten: „weil sie als ein Pfandschilling zu Böhmen gct)
S. Sitzungsbericht vom 2. Jänner 1S50.
') Wolfgang Paclihclbel, Bürgermeister; Wolfgang Frischeisen vorn Halbe;
J. U. C. Chemnitzer von der Gemeinde.
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