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S i c t e 1.
nicht, inwieweit können wir mindestens eine den Originalen
möglichst nahe kommende Form noch zu gewinnen hoffen?
Es ist meines Wissens von den Herausgebern von Briefen
Alcuins noch nicht einmal der Versuch gemacht, Texte von
einer sich bis auf die stilistischen Eigenthümlichkeiten erstreckenden
Genauigkeit herzustellen, d. h. auch hier der Forderung
gerecht zu werden, welche doch sonst an die Ausgaben
von literarischen und historischen Denkmälern gestellt wird.
Man ist vielleicht vor den allerdings sehr beträchtlichen Schwierigkeiten
zurückgeschreckt. Wenn ich z. B. versucht habe,
den Werth einer Reihe von Handschriften im Allgemeinen und
bezüglich der einzelnen Theile ihres Inhalts zu bestimmen, so
ist damit für die Lösung jener Aufgabe noch nichts erreicht.
Selbst Abschriften ersten Grades, als welche wir die gewisser
Briefe in Y betrachten können, erweisen sich als hie und da
bis zur Sinnlosigkeit entstellt: wie könnten wir da getreue
Wiedergabe der Originalepisteln in grammatikalischer und
orthographischer Beziehung erwarten? Und mag 'sich die Individualität
der Copisten auch nur ausnahmsweise so geltend
gemacht haben, wie wir das bei dem rhätischen Schreiber von
G wahrnahmen, so wird sie doch überall einige Spuren zurückgelassen
haben. Eben daher kommt es, dass die Texte
aus mehreren Codices gleicher Güte so zahlreiche Varianten
aufweisen. Diese Handschriften selber geben uns aber noch
keinen zuverlässigen Massstab für die Auswahl unter den Lesarten.
Doch dies ist noch nicht einmal die grösste Schwierigkeit,
auf die wir stossen. Es drängen sich uns weitere Fragen
auf. Ist anzunehmen, dass Alcuin zumal in den späteren
Jahren noch selbst geschrieben hat, oder nicht vielmehr, dass
er zumeist dictirt haben wird? Inwieweit werden sich dann
die Urschriften seiner Notare mit dem vollständig gedeckt
haben, was der Meiste]- dictirte und was er etwa selbst niedergeschrieben
haben würde? Briefe, Abbandlungen und ganze
Bücher sind oft in grosser Hast geschrieben worden (Ep. 202,
234 u. s. w.), bei der leicht Fehler unterlaufen mochten. Und
auch wo sicher grössere Sorgfalt aufgewandt worden ist, wie
bei den Briefen an Karl, traut Alcuin selbst seinen Ammanuensen
nicht und will für ihre Nachlässigkeiten nicht verant-