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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

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Sickel.

schriftkundigen  Manne  zu  Gebote  stehen  mochten.  Anders
steht  es,  wenn  wir  ausser  dem  Namen  Blancidius  noch  andere
Anhaltspunkte  dafür  haben,  dass  das  Schreiben  früher  verfasst
sein  muss:  dann  passt  die  Vertrautheit  mit  den  Alcuinbriefen
am  füglichsten  zu  Wizo.  Auf  eine  frühere  Abfassungszeit
weist  aber  die  ganze  Situation  hin.  Erinnern  wir  uns,  dass
Alcuin  einen  sehr  lebhaften  Antheil  au  der  Bekehrung  der
Slaven  und  Avaren  nahm,  fast  einen  grossem  als  Arno  und
Paulinus,  denen  sie  zunächst  oblag. 1  Schreiber  und  Empfänger
obigen  Briefes  scheinen  nun  eben  mit  der  Verkündigung  des
Evangeliums  beschäftigt  zu  sein  und  zwar  unter  Völkerschaften,
die  besondere  Behandlung  erforderten;  es  klingt  auch  das  an
die  Gedanken  an,  die  Alcuin  in  zahlreichen  Briefen  über  die
Christianisirung  im  Osten  entwickelt.  Es  ist  also  wohl  denkbar, ­
  dass  auch  Wizo  im  Salzburger  Sprengel,  der  bis  nach
Kärnten  reichte,  solche  Aufgabe  gestellt  war  und  dass  gleichzeitig ­
  andere  Alcuinschüler  Paulinus  zu  gleicher  Dienstleistung
zugesandt  worden  waren.
Auch  Büdinger  hatte  anfänglich  an  Wizo  als  Schreiber
des  Briefes  gedacht.  Aber  er  meinte,  dass  Wizo  zur  Zeit
seines  Aufenthalts  im  Salzburger  Sprengel  noch  jung  gewesen  .*
sei,  sich  also  nicht  wohl  senex  nennen  und  so  seinen  Freunden
als  iuvenibus  gegenüberstellerv  könne.  Zunächst  wird  man  es
aber  mit  all  den  hier  so  gehäuften  und  stark  aufgetragenen
Gegensätzen  nicht  so  genau  nehmen,  sondern  aus  ihnen  nur
herauslesen  dürfen,  dass  dem  Verfasser  sein  augenblicklicher
Aufenthalt  nicht  behagt  und  dass  er  seine  Genossen  um  ihre
bessere  Lage  beneidet.  So  deute  ich  extorris  indigenis  suis:
er  fühlt  sich  in  der  Fremde  einsam  (idiomate  carens)  und  verwaist, ­
  während  die  Freunde  sieh  da,  wo  sie  sich  mit  ihrer
Umgebung  noch  verständlich  zu  machen  vermögen,  auch  heimisch ­
  fühlen  können;  so  beziehe  ich  auch  senex  iuvenibus  nur
auf  einen  gewissen  Altersunterschied.  Ich  wüsste  ferner  nicht,
dass  sich  durch  irgend  eine  Stelle  belegen  Hesse,  dass  Wizo
damals  noch  jung  war.  Dass  Alcuin  ihn  seinen  Sohn  nennt,  “
will  nichts  besagen,  denn  so  redet  er  ja  auch  Riculf,  Angil-1

  Ep.  64,  67,  71  u.  s.  w.  —  Ich  werde  in  der  Folge  näher  auf  die  Geschichte ­
  der  Mission  im  Osten  eingehen.
            
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