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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

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Si  ck  e  1.

Es  ist  endlich  auch  zu  bedenken,  dass  gewisse  Mängel
gar  nicht  von  den  Copisten  verschuldet  zu  sein  brauchen,  sondern ­
  schon  von  den  Schreibern  der  Originale  stammen  können.
Nämlich,  wenn  es  auch  offenbar  zum  guten  Tone  gehörte,
jeden  Brief  mit  Inscription  zu  versehen  und  in  dieser  Schreiber
und  Empfänger  zu  nennen,  so  ist  doch  vielleicht  hie  und  da
unter  guten  Freunden  davon  Umgang  genommen,  indem  ja
solche  Episteln  verschlossen  zu  werden  und  auf  der  Aussenseite
  eine  Adresse  (superscriptio)  zu  erhalten  pflegten. 1  So
möchte  ich  nicht  jedes  Stück,  blos  weil  es  in  diesem  Punkte
hinter  dem  gewöhnlichen  Masse  zurückbleibt,  schon  als  zur
Formel  geworden  bezeichnen.
Ich  will  das  gleich  auf  die  Briefe  Alcuins  im  Codex  Y
anwenden,  bei  dem  Art  und  Entstehung  für  die  Absicht  historische ­
  Denkmäler  zu  sammeln  sprechen.  Ep.  71,  92,  101,
102,  133  ex-scheinen  hier  vollständig  copirt. 2  Ep.  104  und  107
sehen  wir  mit  inscriptio  und  conclusio  versehen;  aber  in  jener
sind  die  Namen  entweder  getilgt  oder  auch  ursprünglich,  als
schon  in  der  superscriptio  enthalten,  ausgelassen  worden.
Ep.  296  endlich  hat  den  richtigen  Schluss,  entbehrt  aber  des
Eingangs,  so  dass  wir,  wie  ich  schon  sagte,  Schreiber  und  Empfänger ­
  nur  aus  dem  Zusammenhänge  entnehmen  können. 3  Dazu
kommen  noch  in  derselben  Handschrift  die  drei  Episteln  Angilberts ­
  ,  in  denen  der  Abschreiber  nach  Ai’t  der  Formelsammler
  den  sehr  ausführlichen  Eingang  wiedergegeben,  jedoch ­
  die  Namen  getilgt  hat,  nachdem  er  durch  die  Aufschrift

1  Bei  den  an  Lull  gerichteten  Briefen  haben  die  ersten  Copisten  zumeist
auch  diese  Aussenadresse  abgeschrieben:  epistola  Milredi  episcopi  ofl'erenda
  Lullo  episcopo,  ad  Lul  epistola  episcopum  (Mon.  Mogunt.  268,  283),
ja  einige  Male  sogar  nachgezeichnet.  Was  z.  B.  ib.  219  die  Worte  der
superscriptio:-offerenda  Lullo  episcopo  viro  clarissimo  trennt,  sollen  die
Schnüre  oder  Bänder  sein,  mit  denen  der  Brief  verschlossen  war,  und
ib.  287  Nr.  120  sind  die  vier  durch  das  Pergament  gebohrten  Löcher
und  an  jedem  ein  Stück  Schnur  abgebildet.  —  In  manchen  Briefcodices
sind  diese  Adressen  zu  Ueberscliriften  geworden.
2  Womit  noch  nicht  gesagt  sein  soll,  dass  sie  in  allen  Einzelheiten  gut
copirt  worden  sind;  Ep.  92  z.  B.  ist  durch  die  Fahrlässigkeit  des  Abschreibers ­
  stellenweise  unverständlich  geworden.
3  Nunc  velim  te  properare  in  patriam  entspricht  durchaus  der  damaligen
Situation  Arns.
            
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