Alcuinstudien.
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so wäre es doch ein seltsamer Zufall, dass nicht ein einziges
Stück mit seiner Datirang auf uns gekommen ist.' Ich kann
daher das Fehlen der Daten in den Abschriften der Alcuinbriefe
nicht als Verstümmlung gelten lassen.
Die drei wesentlichen Theile der Briefe waren aber sehr
mannigfaltiger Gestaltung je nach der Individualität des Schreibers
und des Adressaten fähig, und am meisten der Context.
Daher wüsste ich für die Beurtheilung dieses Haupttheiles
allerdings kein besonderes Kriterium aufzustellen und zumal
die Vollständigkeit oder Unvollständigkeit des Textes glaube
ich höchstens daraus ermessen zu können, ob der Gedankengang
ohne Sprung zu rechtem Abschluss kommt oder nicht.
Eine weitere und bessere Bürgschaft für Unversehrtheit in der
Ueberlieferung sehe ich darin, dass ein Brief in der ursprünglichen
Einkleidung des Textes zwischen salutatio und conclusio
erhalten ist.
Eingang oder Schluss oder aucli beide fehlen freilich in
vielen unserer Abschriften von Alcuinbriefen. Aber diese Unvollständigkeit
der Copien berechtigt für sich allein noch nicht
bewusste Umbildung zu Formeln anzunehmen. Legten doch
grade Verfasser von Formelsammlungen Werth darauf, in
ihren Dictaten auch wortreiche und zierliche Vorbilder für den
Gruss in der Einleitung und für das Lebewohl am Ende darzubieten.
Andererseits vertrug es sich mit der Absicht Episteln
als historische Zeugnisse zu sammeln sehr wohl, die rhetorische
conclusio zu unterdrücken und dessgleichen die Adresse, zumal
wenn Schreiber und Empfänger aus dem Zusammenhang erkennbar
waren. Auf gleiche Stufe darf man es stellen, wenn gewisse
Copisten, dazu wahrscheinlich durch die Vertrautheit
mit dem Formelwesen bestimmt, zwar die Inscription aufnahmen,
die Namen in derselben jedoch durch ille oder durch
N ersetzten.
1 Auch die Mon. Moguntina will ich noch anfiihren. Aus ihnen ersehen
wir, dass selbst römische Geistliche wie Theophilacias und Gemmulus
und desgleichen Alcuin’s Landsleute, den einzigen Abt Eanwulf ausgenommen
(ib. 283, 284), ihre Briefe nicht zu datiren pflegten. Ygl. auch
Hahn in Forschungen 15, 47.
Sitzungesber. d. phil.-hist. CI. LXXIX. Bd. III. Hft. 31