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Sickel.
in bewusstem Festhalten und Fortbilden der Tradition, so sind
auch alle von ihr ausgehenden Schriftstücke nach bestimmten
Formeln verfasst und nach bestimmten Normen ausgefertigt,
daher leicht zu erkennen und zu beurtheilen. Minder streng
wurde es an den Königshöfen mit der Abfassung von Briefen
genommen; dennoch lassen sich gewisse Merkmale feststellen,
welche allen literae regales gemeinsam sind, und andere die
einzelnen Arten derselben eigenthümlich sind. 1 Aber wie ein
grosser Abstand ist zwischen privilegia pontificum und praecepta
regum einerseits und Charta pagenses andererseits, so
auch zwischen den Episteln jener Autoritäten und denen der
Privaten.' Nur die am mindesten feierliche Form der literae
regales berührt sich mit der Form, in welcher damals alle
Welt mit einander schriftlich verkehrte, und hält sich dabei
doch in gewissen vom Herkommen gezogenen Schranken. Und
von dieser Form bei der Vergleichung auszugehen, nöthigt
und berechtigt uns auch der Stand der Ueberlieferung. Von
Königsbriefen der Karolingerzeit sind uns nämlich wenigstens
einige Stücke im Original erhalten, denen auch die nur in
Copien auf uns gekommenen Exemplare entsprechen. Von
Episteln anderer Personen dagegen ist meines Wissens nicht
ein vollständiges Original mehr vorhanden, 2 die Copien solcher
Episteln gleichen aber in Allem den Abschriften von literae
regales.
Als Minimum von Thcilen und zugleich von Kennzeichen
solcher Briefe und zugleich der Briefformeln lassen sich salutatio,
textus und conclusio bezeichnen. Dagegen waren Datirungsformeln
damals in den Episteln nicht gebräuchlich. Ich
verweise auf die 52 von Jafle in den Mon. Carolina 335—430
veröffentlichten Briefe theils von Karl theils von seinen Zeitgenossen,
so wie auf die 71 aus Einhart’s Feder (ib. 437—486),
welche sämmtlich literae sine data sind. Hätten diese Briefschreiber
oder Alcuin als Verfasser von etwa 300 uns von ihm
bekannten Episteln irgend welche Zeitbestimmung hinzugefügt,
1 Urkundenlehre der Karolinger 394.
2 Der Originalbericht von Maginarius an Karl vom J. 787 im Pariser
Archiv (Tardif GO Nr. 80) ist nur Fragment und es fehlen gerade die
charakteristischen Theile.