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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

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Sickel.

in  bewusstem  Festhalten  und  Fortbilden  der  Tradition,  so  sind
auch  alle  von  ihr  ausgehenden  Schriftstücke  nach  bestimmten
Formeln  verfasst  und  nach  bestimmten  Normen  ausgefertigt,
daher  leicht  zu  erkennen  und  zu  beurtheilen.  Minder  streng
wurde  es  an  den  Königshöfen  mit  der  Abfassung  von  Briefen
genommen;  dennoch  lassen  sich  gewisse  Merkmale  feststellen,
welche  allen  literae  regales  gemeinsam  sind,  und  andere  die
einzelnen  Arten  derselben  eigenthümlich  sind. 1  Aber  wie  ein
grosser  Abstand  ist  zwischen  privilegia  pontificum  und  praecepta
  regum  einerseits  und  Charta  pagenses  andererseits,  so
auch  zwischen  den  Episteln  jener  Autoritäten  und  denen  der
Privaten.'  Nur  die  am  mindesten  feierliche  Form  der  literae
regales  berührt  sich  mit  der  Form,  in  welcher  damals  alle
Welt  mit  einander  schriftlich  verkehrte,  und  hält  sich  dabei
doch  in  gewissen  vom  Herkommen  gezogenen  Schranken.  Und
von  dieser  Form  bei  der  Vergleichung  auszugehen,  nöthigt
und  berechtigt  uns  auch  der  Stand  der  Ueberlieferung.  Von
Königsbriefen  der  Karolingerzeit  sind  uns  nämlich  wenigstens
einige  Stücke  im  Original  erhalten,  denen  auch  die  nur  in
Copien  auf  uns  gekommenen  Exemplare  entsprechen.  Von
Episteln  anderer  Personen  dagegen  ist  meines  Wissens  nicht
ein  vollständiges  Original  mehr  vorhanden, 2  die  Copien  solcher
Episteln  gleichen  aber  in  Allem  den  Abschriften  von  literae
regales.
Als  Minimum  von  Thcilen  und  zugleich  von  Kennzeichen
solcher  Briefe  und  zugleich  der  Briefformeln  lassen  sich  salutatio,
  textus  und  conclusio  bezeichnen.  Dagegen  waren  Datirungsformeln
  damals  in  den  Episteln  nicht  gebräuchlich.  Ich
verweise  auf  die  52  von  Jafle  in  den  Mon.  Carolina  335—430
veröffentlichten  Briefe  theils  von  Karl  theils  von  seinen  Zeitgenossen, ­
  so  wie  auf  die  71  aus  Einhart’s  Feder  (ib.  437—486),
welche  sämmtlich  literae  sine  data  sind.  Hätten  diese  Briefschreiber ­
  oder  Alcuin  als  Verfasser  von  etwa  300  uns  von  ihm
bekannten  Episteln  irgend  welche  Zeitbestimmung  hinzugefügt,

1  Urkundenlehre  der  Karolinger  394.
2  Der  Originalbericht  von  Maginarius  an  Karl  vom  J.  787  im  Pariser
Archiv  (Tardif  GO  Nr.  80)  ist  nur  Fragment  und  es  fehlen  gerade  die
charakteristischen  Theile.
            
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