480
Sickel.
römischen Berichte in Y noch zur Bekräftigung des von mir
zuvor gewonnenen Resultates, dass der Codex im J. 798 und finden
damals aus Rom heimkehrenden Arno geschrieben ist. Möglich
dass diese Berichte von den Reisegefährten des Salzburgers
schon in Rom copirt worden sind und dass der betreffende
Quaternio seine jetzige Stellung als z erst später erhalten hat
und so zwischen die beiden Briefcollectionen Y 1 —12 und
Y 15 sequ. gerathen ist. Aber ebenso gut denkbar ist, dass
Arno und seine Begleiter nach dem Besuche der ewigen Stadt
und noch voll von den Eindrücken des dortigen Aufenthalts
ein ihnen in Gallien bekannt gewordenes Itinerarium, wie es
z. B. Angilbert aus Rom mitgebracht haben kann, haben abschreiben
lassen, so dass hier in Y doch erst die zwölf Alcuinbriefe,
auf f. 150' — 183' und danach die topographischen
Schriften eingetragen wären. In dem einen und anderen Falle
liegt die Annahme nahe, dass der Schreiber o, von dem hier
alle Zusätze stammen, dieselben nach eigenen Wahrnehmungen,
eventuell mit Hilfe selbstgemachter Reisenotizen, zugefügt hat. 1
1 Ich will mich gleich hier über die Angabe in Froben 1, 2 aussprechen:
In veteri quoque catalogo inclyti monasterii s. Petri Salisburgi notantur
septem epistolae ad Arnonem . . quae nunc inquirentium oculos fugiunt.
Es ist mir nur ein alter Büclierkatalog von S. Peter bekannt, etwa um
1200 geschrieben, in dem jetzigen Codex membr. A. IX. 3 des Stiftes.
In diesem begegnet aber nicht einmal der Name Alcuin. Das schliesst
nicht aus, dass einige der dort angeführten Werke, wie Duo volumina
de operibus sex dierum cum interrogationibus et responsionibus, sicher
von Alcuin sind. Aber es werden auch keine Briefe in diesem Katalog
erwähnt. Ich bin daher geneigt anzunehmen, dass hier eine Verwechslung
zwischen der Bibliothek von S. Peter und der des Domcapitels
stattgefunden hat. Vom Codex Y mit acht Briefen an Arno, von denen
aber zwei ohne Adresse sind, konnte allenfalls gesagt werden, dass er
sieben solcher Briefe enthalte. — Von dem in Froben 2, 448 erwähnten
Cod. Salisburgensis wird in der folgenden Abhandlung die Rede sein. —
Endlich w r ird von Froben 2, 556 ein Codex, saec. XI olim Millestatensis
angeführt, von dem man vermuthen dürfte, dass er sich jetzt in Wien
befinde. Die hiesige Hof bibliothek besitzt aber nicht eine einzige ehemals
Millstädter Handschrift, während die Archivalien dieses Klosters allerdings
nach Wien gekommen sind. Millstadt wurde 1598 den Jesuiten
übergeben, und dass sie auch die dortigen Handschriften erworben, kann
man schon daraus schliessen, dass Rieberer S. J. in domo professorum
Viennae bibliothecarius Froben Abschriften aus dem betreffenden Codex
zusandte. Wohin dann die Millstädter Bibliothek gekommen, ist unbekannt.