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Müller.
Wir könnten dann zwar begreifen, wie eine Sprache, die eine
Kategorie zur Bezeichnung paarweise auftretender natürlicher
Gegenstände schafft, diese Kategorie im Laufe der Entwicklung
auch auf andere Substantiva ausdehnt, — nimmermehr aber,
wie sie dieselbe Kategorie auf andere Redetheile überträgt, um
so weniger als die Verwendung des lautlichen Repräsentanten
dieser Kategorie einen Sprachzustand voraussetzen würde, welcher
dem der Flexion geradezu entgegengesetzt ist.
Nach unserer, durch sorgfältige Prüfung der oben herangezogenen
Tliatsachen gewonnenen Ansicht, ist es also nicht
das Hebräische, welches formell den Sprachzustand des Ursemitischen
(jener Sprache, die den semitischen Dialekten bei
ihrer Abtrennung von einander zu Grunde lag) am getreuesten
in diesem Punkte repräsentirt, sondern vielmehr das Arabische.
— Die arabischen Dualformen könuen, abgesehen davon, dass
sie durch das Assyrische als alterthümlich bezeugt werden, unmöglich
Neubildungen sein, da sie ein Sprachbewusstsein voraussetzen
würden, dem die Natur der flectirenden Sprachen
nicht entspricht, womit aber gar nicht gesagt ist, dass die Verwendung
des Arabischen dem ursprünglichen Gebrauche
der Ursprache näher steht. — In dieser Beziehung ist das Hebräische
mit successiver Einschränkung der Kategorie, die der
Sprache entbehrlich schien, zum ursprünglichen Gebrauche
zurückgekehrt, ein Vorgang, der ganz und gar mit dem Gebrauche
des Duals in den indogermanischen Sprachen übereinstimmt.
In den indogermanischen Sprachen ist gewiss die Kategorie
des Duals, wie in den semitischen, von der Auffassung
paarweise vorkommender natürlicher Gegenstände, namentlich
der doppelt vorhandenen Organe des menschlichen Körpers,
ausgegangen. Nur von da aus lässt sich diese Kategorie überhaupt
begreifen. — Sie mag also ursprünglich nur am Nomen
substantivum ausgeprägt gewesen sein, und von da aus, zunächst
nach dem Gesetze der Oongruenz, auch über das Adjectivum
sich verbreitet haben. — Interessant ist es, dass der
Dual innerhalb des Pronomens gerade in der ersten Person,
wo das Semitische keinen Unterschied zwischen Dual und
Plural kennt, in den indogermanischen Sprachen am deutlichsten
bezeichnet auftritt, also gerade hier sehr alt sein muss. —