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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

Der  Dual  in  den  semitischen  Sprachen.

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Bestandtheile  (Ober-  und  Unterland),  aus  denen  das  Land
Aegypten  bestand.  Dieselben  lauten  : 1
A.  Masculina:
heh-ui  die  Ohren,
rot-ui  die  Füsse  (kopt.  p&t),
tot-ui  die  Hände  (kopt.  tot),
ta-ui  die  beiden  Welten  (Ober-  und  Unter-Aegypten).
B.  Feminina.
'  ser-t-i  die  Nasenlöcher  (kopt.  uj*.htc,  ein  versteinerter  Dual),
är-t-i  die  Kinnladen,
hä-t-i  das  Herz,  ,die  beiden  Herzhälften'  (kopt.  <jht  ein
versteinerter  Dual),
mer-t-i  die  Augen,
sa-t-i  die  Beine,
%en-t-i  die  Füsse
keb-t-i  die  Arme  (kopt.  crßoi),
hon-t-i  die  Hörner  (kopt.  «jmn).
Wenn  wir  nun  im  Aegyptischen  die  Zahlensuffixe  Dual
ui,  i,  Plural  u  untereinander  vergleichen,  so  stellt  sich  unzweifelhaft ­
  das  Dualsuffix  ui  als  aus  u  und  i  zusammengesetzt
dar,  und  es  bleibt  nur  noch  die  Frage  übrig,  wie  wir  dem
männlichen  u-i  gegenüber  das  weibliche  i  zu  deuten  haben.
An  eine  Verkürzung  von  t-u-i  zu  t-i  ist,  vermöge  des  sonstigen
Charakters  der  altägyptischen  Sprache,  nicht  zu  denken,  so
dass  wohl  nichts  anderes  übrig  bleibt  als  i  für  ein  selbständiges ­
  Element  anzusehen,  das  an  und  für  sich  zur  Bezeichnung
der  Zahl  verwendet  werden  kann.
Wenn  wir  uns  nun  wegen  Deutung  des  Elementes  i  ans
Altägyptische  wenden,  so  erhalten  wir  keine  Antwort,  doch
dürfen  wir  vielleicht  hoffen,  von  der  jüngsten  Tochter  desselben, ­
  dem  Koptischen,  eine  Aufklärung  zu  erlangen.  —
Machen  wir  ja  oft  die  Wahrnehmung,  dass  die  alte  Sprache,
sofern  sie  zu  literarischen  Zwecken  verwendet  wurde,  manches
Gut,  das  in  der  ungebildeten  Volkssprache  stehen  blieb,  abgeworfen ­
  hat,  und  dass  dieses  Gut  später,  wenn  die  Volkssprache
zu  literarischem  Schaffen  neu  belebt  wird,  wieder  hervortritt

1  Brugsch.  Hieroglyphisclie  Grammatik.  Leipzig  1872.  S.  5.
Sitzangsber.  1.  phil.-hist.  CI.  LXXIX.  Bd.  III.  Hft.  29
            
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