Ueber die Verbalstammbildung in den semitischen Sprachen.
303
e-i-Lautes zu langem i zu halten vermochte, was seinerseits
wiederum die Assimilirung des ihm vorhergehenden Vocales,
die Verwandlung des ursprünglichen ä in ! zur Folge hatte.
So scheint die Vocalisation der Form entstanden zu sein.
Dass die i-Vocale darin nichts Ursprüngliches sind, zeigt sowohl
die Flexion (vergl. die Formen ’nb-yn, b'IJN, bun etc.), als
auch die Vergleichung mit den übrigen semitischen Dialekten.
Im Arabischen, wo die Accentsetzung ganz unter der Oberherrschaft
des rhythmischen Gesetzes der Quantität der letzten
Sylbe steht, riss das erste positionslange a der Causativform
den Ton an sich, ohne jedoch wie im Syrischen seinen Einfluss
auf das folgende a auszudehnen. Das Aethiopische endlich
hat die ursprüngliche Vocalisation wie das Arabische, und den
Ton auf der zweiten Sylbe wie das Hebräische beibehalten.
Wir haben bereits oben erwähnt, dass in den abgeleiteten
Verbalstämmen mit begränzterer Bedeutung ein Unterschied
zwischen activer und halbpassiver Handlung in der Aussprache
nicht stattfindet. Im Causativum wird daher keine besondere
halbpassive Form gebildet, doch findet sich im Arabischen und
Hebräischen zu diesem Verbalstamme ein regelmässiges Passivum:
Jiai'l, D“inn. Auch im biblischen Chaldäisch
begegnen wir unter vielen anderen Hebraismen der Hoph’al-Form
ö’pn (Daniel 7, 4).
3. Der Reflexivstamm entspricht seiner Bedeutung nach
so ziemlich dem griechischen Medium. Zunächst bezeichnet er
die eigentliche Reflexivität, welche sich in eine directe und
indirecte theilt. Directe Reflexivität ist diejenige, vermöge
deren das tlnitigc Subject sich zum directen accusativischen
Object seiner Handlung macht, oder auch nur als rein selbstthätig,
sich selbst bestimmend auftritt, wie im accusativischen
ist dies wohl nur in der Schriftsprache (und hier vielleicht nur in der
biblischen Literatur und im Targ*um) der Fall gewesen, während im
Volksmunde die Aceentuation, der des Syrischen analog, vom Ursprünglichen
immer weiter sich entfernte. Bei einer so desorganisirten Sprachformation,
wie sie im Spät-Aramäischen uns entgegentritt, lässt sich
nicht erwarten, dass eine auf dem feinsten Sprachgefühl beruhende
Accentsetzung, wenn sie auch ursprünglich einmal üblich gewesen sein
mag, sich lange erhalten hat.