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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

lieber  die  Verbalstammbildung  in  den  semitischen  Sprachen.

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vom  Standpunkte  der  philosophischen  Sprachforschung  aus  allerdings ­
  richtig  und  darum  nothwendig,  dem  historischen  Bestände
der  Sprache  jedoch  völlig  inadäquat  und  in  der  empirischen
Grammatik  darum  nicht  am  Platze.  Wenn  wir  nun  die  semitischen ­
  Wurzeln  nicht  ideell  als  formlosen  wortbildenden  Stoff
betrachten,  sondern  empirisch  als  fertige  Wörter  in’s  Auge
fassen,  in  der  concreten  Gestalt,  wie  sie  auf  dem  realen  Boden
des  Satzes  stets  zur  Erscheinung  gelangen  müssen,  so  haben
wir  es,  wie  bereits  auseinandergesetzt,  nicht  mehr  mit  der
ungetheilten  indifferenten  Wurzel  zu  thun,  sondern  zunächst
mit  den  ältesten  und  daher  einfachsten  Verbal-  und  Nominalstämmen,
  die  man  relativ,  im  Verhältnisse  nämlich  zu  den
späteren  complicirteren  Verbal-  und  Nominalbildungen  wohl
auch  Verbal-  und  Nominalwurzeln  zu  nenneu  berechtigt  ist.
Die  Frage  nach  der  Priorität  des  Verbums  oder  des  Nomens
ist  von  Ewald  (Hebr.  Sprachlehre  VII.  Ausg.  1863,  S.  283)  mit
Recht  eine  ,völlig  eitle'  genannt  worden,  insofern  die  Wurzel
als  blosser  Wortstoff  an  sich  weder  verbal,  noch  nominal  ist,
jedoch  die  Fähigkeit  besitzt,  beides  zu  werden.  Insbesondere
gilt  dies  von  den  semitischen  Sprachen,  wo  die  ungetheilte
Wurzel,  vom  historischen  Standpunkte  aus  betrachtet,  ohnehin
nur  ein  ,gelehrtes  Gedankending'  und  ohne  die  Ausbildung
eines  weiteren  Unterschiedes  überhaupt  nicht  aussprechbar  ist.
Doch  behauptet  Buschmann  (A.  L.  Z.  Febr.  1848,  S.  274  ff.),
dass  die  nominelle  Beziehung  der  Wurzel  die  ursprüngliche
sei.  Er  stützt  sich  darauf,  dass  die  einfachen  Wörter  des
malayischen  Sprachstammes  an  sich  meist  Substantiva  oder
Adjectiva  sind,  denen  sich  das  Verbum  beigesellt,  als  durch
Verbindung  eines  Nominalausdruckes  mit  dem  Existenzbegriffe
bewirkt,  wie  denn  überhaupt  ein  wahrhaftes  Verbum,  d.  h.  ein
Gebundensein  von  Prädicatsbegriff,  Copula  und  generellem  Subject
  (Person  )  keineswegs  in  allen  Sprachen  zu  finden  ist,  manche
vielmehr  es  niemals  über  einen  in  aller  Strenge  nominalen  oder,
wenn  man  will,  participialen  Charakter  hinausbringen.  Dass
dieses  aber  von  den  semitischen  Sprachen  nicht  gilt,  ist  klar,
denn  offenbar  repräsentirt  das  semitische  Verbum  nicht  etwa
die  Verbindung  eines  Nomen  mit  dem  Existenzbegriffe,  sondern
ist  der  Ausdruck  der  Handlung  und  Bewegung.  Darum  steht
auch  das  Thatwort  im  Semitischen  weit  über  dem  Nennworte
            
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