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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

Ueber  die  Verbalstammbildung  in  den  semitischen  Sprachen.

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möglich?  Ebenso  wenig,  wie.  ein  Mineral  sich  je  zur  organischen ­
  Pflanze  vervollkommnen  wird,  kann  eine  unorganische
Sprache,  wie  z.  B.  die  chinesische,  sich  zur  organischen  Gestalt ­
  entwickeln.  Bunsen  macht  sich  also  durch  die  Festhaltung
der  Termini  ,organisch'  und  ,unorganisch'  zum  Mindesten  einer
Inconsequenz  schuldig.  Ausserdem  aber  spricht  gegen  seine
Ansicht,  die  übrigens  durch  die  Tendenz  der  zu  erweisenden
Möglichkeit  einer  einzigen  Ursprache  stark  beeinflusst  zu  sein
scheint,  noch  Folgendes.  Jede  Sprache  muss  von  Anfang  an
nicht  nur  die  Beziehung  und  Einwirkung  des  Objectes  auf
die  Sinnesorgane,  sondern  auch  das  psychologische  Moment  der
Beziehung  des  Menschen  zur  Aussenwelt,  wie  nicht  minder
das  ideelle  der  Beziehung  der  einzelnen  Dinge  unter  einander
in  Baum  und  Zeit  zum  Ausdrucke  zu  bringen  suchen.  Die
Substantialität  als  das  sprachbildende  und  die  Idealität  als  das
sprachentwickelnde  Princip  wirken  stets,  wenn  auch  unabhängig
von,  so  doch  gleichzeitig  mit  einander.  Auch  den  unorganischen
Sprachen  kann  das  Princip  der  Idealität  mithin  nicht  vollends
mangeln,  da  vielmehr  die  menschlichen  Seelenvermögen  bei
der  Sprachbildung  nicht  nur  schon  vorhanden  gewesen  sein,
sondern  auch  bereits  eine  wichtige  Rolle  gespielt  haben  müssen.
Sagt  doch  Bunsen  selbst  (1.  c.)  ausdrücklich:  ,Was  im  Gedanken
existirt,  muss  stufenweise  seinen  positiven  Ausdruck  in  der
Sprache  finden.'  Wie  konnte  also  das  Chinesische  z.  B.  bis
zum  heutigen  Tage  bei  substantiellen,  satzbildenden  Wörtern
stehen  geblieben  sein,  ohne  das  Princip  der  Idealität  irgendwie
zur  Geltung  zu  bringen?  Sicherlich  haben  es  alle  Sprachen,
auch  die  unorganischen,  von  Anfang  an  nicht  mit  sogenannten
substantiellen  Wörtern  zu  thun  gehabt,  sondern  es  musste  ein
jedes  Wort,  sowie  es  gesprochen  wurde,  als  bestimmter  Satztheil,
  als  Nomen  oder  als  Verbum  zum  Vorschein  kommen.
Was  bildet  nun  aber  die  tiefe,  unüberbrückbare  Kluft  zwischen
organischen  und  unorganischen  Sprachen?  Nichts  anderes,  als
dass  erstere  die  Fähigkeit  besassen,  eine  genaue  Sonderung
und  Ausprägung  der  einzelnen  Redetheile  in  der  äusseren  Form
vorzunehmen,  während  die  unorganischen  Sprachen,  weil  sie
das  Gesetz  der  absoluten  Einsylbigkeit  eines  jeden  Wortes
strenge  festhielten,  die  Wurzel  in  ihrer  ursprünglichen  Gestalt
als  unveränderlich  ansehen  mussten  und  sie  darum  auch  nach
            
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