Ueber die Verbalstammbildung in den semitischen Sprachen.
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möglich? Ebenso wenig, wie. ein Mineral sich je zur organischen
Pflanze vervollkommnen wird, kann eine unorganische
Sprache, wie z. B. die chinesische, sich zur organischen Gestalt
entwickeln. Bunsen macht sich also durch die Festhaltung
der Termini ,organisch' und ,unorganisch' zum Mindesten einer
Inconsequenz schuldig. Ausserdem aber spricht gegen seine
Ansicht, die übrigens durch die Tendenz der zu erweisenden
Möglichkeit einer einzigen Ursprache stark beeinflusst zu sein
scheint, noch Folgendes. Jede Sprache muss von Anfang an
nicht nur die Beziehung und Einwirkung des Objectes auf
die Sinnesorgane, sondern auch das psychologische Moment der
Beziehung des Menschen zur Aussenwelt, wie nicht minder
das ideelle der Beziehung der einzelnen Dinge unter einander
in Baum und Zeit zum Ausdrucke zu bringen suchen. Die
Substantialität als das sprachbildende und die Idealität als das
sprachentwickelnde Princip wirken stets, wenn auch unabhängig
von, so doch gleichzeitig mit einander. Auch den unorganischen
Sprachen kann das Princip der Idealität mithin nicht vollends
mangeln, da vielmehr die menschlichen Seelenvermögen bei
der Sprachbildung nicht nur schon vorhanden gewesen sein,
sondern auch bereits eine wichtige Rolle gespielt haben müssen.
Sagt doch Bunsen selbst (1. c.) ausdrücklich: ,Was im Gedanken
existirt, muss stufenweise seinen positiven Ausdruck in der
Sprache finden.' Wie konnte also das Chinesische z. B. bis
zum heutigen Tage bei substantiellen, satzbildenden Wörtern
stehen geblieben sein, ohne das Princip der Idealität irgendwie
zur Geltung zu bringen? Sicherlich haben es alle Sprachen,
auch die unorganischen, von Anfang an nicht mit sogenannten
substantiellen Wörtern zu thun gehabt, sondern es musste ein
jedes Wort, sowie es gesprochen wurde, als bestimmter Satztheil,
als Nomen oder als Verbum zum Vorschein kommen.
Was bildet nun aber die tiefe, unüberbrückbare Kluft zwischen
organischen und unorganischen Sprachen? Nichts anderes, als
dass erstere die Fähigkeit besassen, eine genaue Sonderung
und Ausprägung der einzelnen Redetheile in der äusseren Form
vorzunehmen, während die unorganischen Sprachen, weil sie
das Gesetz der absoluten Einsylbigkeit eines jeden Wortes
strenge festhielten, die Wurzel in ihrer ursprünglichen Gestalt
als unveränderlich ansehen mussten und sie darum auch nach