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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

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Go  mp  erz.

nihil  omnino  dicitur  quod  non  multo  melius  in  duobus  praecedentibus
  enarraverit  poetah  Fast  schäme  ich  mich,  diese  ausgezeichneten ­
  Philologen,  die  nur  diesmal  etwas  eilfertig  gelesen
haben,  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dass  Kritias  an  dieser
Stelle  noch  ganz  und  gar  nicht  von  der  göttlichen  Allwissenheit ­
  handelt.  Diese  wird  vielmehr  erst  aus  den  hier  wie  später
(in  dem  von  uns  bereits  sattsam  erörterten:  tö  yap  fpovouv  x/re.)
aufgestellten  Prämissen  gefolgert.  Oder  wäre  der  an  unserem
Ort  ausgesprochene  Gedanke  so  nichtssagend  oder  —•  im  fünften
Jahrhundert!  —  so  abgenützt  gewesen,  dass  man  annehmen
müsste  (was  Köchly  und  Herwerden  vorauszusetzen  scheinen),
der  Dichter  sei  über  diese  Vordersätze  hinweg  eben  nur  dem
Schlusssatz  zugeeilt,  ohne  ihnen  irgend  eine  selbständige  Bedeutung ­
  beizulegen.
Und  doch  wird  mit  jenen  Worten  den  Theologen,  d.  h.
den  theologisch-metaphysischen  Zeitgenossen  des  Kritias,  ein
Protest  in  den  Mund  gelegt  gegen  nichts  geringeres  als  die
gesammte  anthropomorphische  Auffassung  der  göttlichen  Dinge!
Denn  wenn  man  von  der  Gottheit  behauptet,  sie  denke  nicht
blos  sondern  sie  schaue  und  höre  auch  mit  dem  Geiste 1
(was  überdies  damals  auch  ungleich  paradoxer  klang  als  heute,
—  man  denke  an  stehende  Verbindungen  wie  o©6aX|j.otat
ISetv  xai  yviigp  voijaai,  Ps.  Hippocr.  de  arte  §.  2—VI,  4,
Littre,  oder  oute  oöv  o4s  i  opä  |j,ay.p6r<pa  oute  Sv  yvtbgv)  yiyvoiaxot,
Antiphon  bei  Galen.  XVIII,  2,  656  Kühn), 2  so  heisst  dies  mit

1  ,1t  is  even  very  possible  to  conceive  how  the  soul  raay  have  ideas  of  c  o  1  o  u  r
without  an  eye  or  of  sound  withont  an  ear‘.  (Berkeley.)
2  Ich  möchte  das  übel  zugerichtete  Bruchstück  nach  Bernays  (Rh.  Mus.
9,  256)  und  Sauppe  (de  Antiphonte  sophista  p.  10)  also  ordnen:  xauxaöi
yvcoaei,  ev  8e  oü8'ev  aüxo  (xaö’  eauxo')*  ouxe  ouv  ctysi  opa  p.axpox7]xa  ouxe  av
yviop.7)  yiyvtuaxoi  6  p.axp’  axxa  yiyvcÄaxtov.  —  Für  unseren  Zweck  wichtiger
ist  es  daran  zu  erinnern,  dass  die  im  obigen  paradox  genannte  Ausdrucksweise ­
  dies  für  Niemanden  in  höherem  Masse  war  als  für  unseren  Autor!
Denn  eben  von  Kritias  erzählt  Galen  daselbst,  er  habe  die  Sinneswahrnehmungen
  von  der  intellectuellen  Erkenntniss  fortwährend  und  nachdrücklich ­
  unterschieden:  Kpixiag  p.ev  ev  xto  rcpibxip  ’Acpopiap/Ö  xa8e  ypacpei.
,jj.7^Te  ä  tw  aXXto  atouaTi  aiaOavexai  pjxe  a  zfj  yvd>(J.7)  yiyvtoaxed,  xai  rcaXiv
,yiyvcocjxoucriv  oi  avÖpcorcoi  e’i  xi?  piv  uyiai'vei  x?j  yvtbp.7)',  xai  ev  f O[xiXuSv
Tcpoxe'ptp  ,ei  8’  aüxo?  aax^aeia?,  otcoi?  yva>p.r)  ij  (t)$?)  txavbc,,  Tj'xiaxa  av  ouxto;
uk’  auxou  (wohl  ucp’  auxou)  av  a8iX7]Öe(7]S , J  xai  TCoXXaxi?  ev  xa>  auxo>  xai  ev  xo)
            
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