274
Gomperz.
treffliche Herwerden aber verlor, wie ihm dies in jungen
Jahren zuweilen begegnet ist, einfach die Geduld und rieth
V. 19 sammt 20—21 ,una litura/ zu tilgen. Nun liegt uns V. 20
in arg verderbter, oder vielmehr, wie schon Fabricius sah, in
paraphrasirter Gestalt vor, die Paraphrase mag nun dem Sextus
selbst oder einem seiner Leser angehören. Aus dieser, aus den
Worten: bP o3 xta'v jj.lv to Xeyßb ev ßpoxoi? ay.oiistat, das Ursprüngliche
mit voller Sicherheit wieder zu gewinnen, dies ei’scheint
mir als ein Ding der Unmöglichkeit. Gegen V. 21 ferner,
dessen kleine Eingangslücke längst von Normann augenscheinlich
richtig ergänzt worden ist, besteht auch nicht der Schatten eines
Verdachtsgrundes. Möglicherweise schrieb Kritias: 8; ovj ßpo-owt
xäv tb jj.lv keyßb -/.Xüsiv | (to) opwjj.svov 81 Txav iSeÜv ouvvjostat. Dem V. 19
gegenüber erhebt endlich Herwerden die specielle Anklage, es sei
,inepte supervacaneum äatjxovt, aoöitw ßüp OaXXovti, tribuere ösi'av
<i>6<jtv‘. Dem muss ich jedoch auf das entschiedenste widersprechen.
Denn nichts hindert uns das Wort oaij-uov hier gei’ade
so als generelle Bezeichnung übermenschlicher Wesen zu
verstehen, wie wir dies bei Plato Apolog. 27 D thun müssen.
Sokrates gebraucht dort oatp.wv im weiteren Sinne zur Bezeichnung
des Gattungsbegriffes, zu dem sich Götter und Untergötter
(Dämonen im engeren Sinne) verhalten wie species
zum genus: tob? 81 8ai'p.ova? ob)'! vjtot (Lob? ys. rjYoup.söa i) 0ewv
raioap; — Und auch ohne solchen ausdrücklichen Beleg hätte
man diese Anwendung des Wortes aus einigen seiner sonstigen
Gebrauchsarten mit Sicherheit erschliessen können. Denn zeigt
einerseits die hierarchische Anordnung; ,Götter, Dämonen und
Heroen dass die Begriffssphären von Oso? und Sai'p.wv nicht vollständig
zusammenfallen, so lehrt andererseits die gelegentliche,
aber gar nicht seltene Bezeichnung der Götter als Dämonen (vgl.
Nägelsbach, Hom. Theol. 68 L ), dass der letztere Begriff nicht (wie
etwa der des Heros) ein dem Göttesbegriff widersprechendes
positives Merkmal enthält. Vielmehr erklären sich beide Gebx-auchsweisen
nur aus der Voraussetzung, dass oou'jj.wv von
Haus aus der an Inhalt ärmere Begriff ist, — woraus sich
ohne weiteres die hier vorliegende dritte Art der Anwendung
ei-gibt. Ein Gott ist ein Dämon und etwas mehr. Dax'um
erscheint er in der Rangfolge übennenschlicher Wesen dem
Dämon (im engeren Sinne) übergeordnet, in der logischen