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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  griechischer  Schriftsteller.

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genommen,  unvereinbare  Ansichten  von  den  göttlichen  Dingen ­
  dicht  bei  einander  zu  finden,  dies  kann  wer  es  noch  nicht
weiss  aus  den  von  Lehrs  (Popul.  Aufsätze  S.  128)  angeführten
pindari  sehen  Stellen  entnehmen.
Und  nicht  nur  hier,  auch  im  eigentlichen  Kernpunkt
unseres  Bruchstücks,  dort  wo  das  theologische  Bekenntniss
nicht  gelegentlich  gestreift,  sondern  ausdrücklich  vorgetragen
wird,  —  auch  dort  hat  Kritias  nicht  die  Lehren  einer  grauen
Vorzeit,  sondern  die  spiritualistischen  Doctrinen  seines  Zeitalters ­
  im  Auge.  Denn  wie  heisst  es  doch  daselbst?  ,Es  gibt
ein  übermenschliches  Wesen,  dem  Unsterblichkeit  zu  eigen  ist
gleichwie  das  Vermögen  rein  geistiger  (durch  kein  Körperorgan ­
  vermittelter)  Wahrnehmung  und  Erkenntniss,  ferner  ist
dasselbe  die  Erkenntnissquelle  anderer  Wesen  und  schliesslich
befindet  es  sich  im  Vollgenuss  göttlicher  Macht  und  Herrlichkeit.' ­
  Nur  ein  Punkt  dieser  Paraphrase  kann  (meines  Bedünkens)
  als  zweifelhaft  gelten,  da  ich  ein  augenscheinlich  und
anerkanntermassen  verderbtes  Wort  zu  bessern  versucht  habe,
ohne  für  die  unbedingte  Sicherheit  meiner  Aenderung  einstehen
zu  können.  Ich  lasse  die  drei  Verse  nebst  einer  Rechtfertigung
meiner  Auffassung  derselben  folgen,  wobei  es  nicht  meine
Schuld  ist,  wenn  diese  nicht  jedes  polemischen  Beigeschmacks
entbehrt.
17  (j>?  soxi  oaiguv  atpOfxw  GälXojv  ßt'w,
vom  x’  axouwv  xai  ßXejnov  ppovfito  xs  y.at
tz  ap£^o>v  xe  xauxa  •/.«!  puoiv  Ostav  popöv  —.
Dem  letzten  dieser  Verse  ist  schon  gar  Seltsames  begegnet.
Anstatt  den  einzigen  Anstoss,  den  derselbe  wirklich  bietet,  mit
behutsamer  Hand  zu  entfernen  —  ich  meine  das  jeder  möglichen ­
  Construction  widerstrebende  xpoos/mv,  wofür  ich  xap£/MV
vermuthe  (vgl.  Bast  Commentat.  palaeogr.  837  und  934)  —  hat  man
mit  Granaten  auf  Sperlinge  geschossen.  Köchly  hat,  man  möchte
fast  glauben  in  der  Absicht  die  gesammte  Conjecturalkritik  zu
verspotten,  nahezu  den  ganzen  Vers  umgeschrieben:
xpoospuov  xe  xdvxa  y.ai  «ppeotv  ppoupöv  dyav
und  xpoosym  xdvxa  trotz  alle  dem  so  übersetzen  müssen  (,Auf
Alles  achtet'),  als  stünde  nicht  xdvxa  da,  sondern  xdot.  Der
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXIX.  Bd.  I.  Hft.  18
            
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