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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

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G  o  m  p  e  r  z.

t'o  opovouv  die  Einzel-Vernunft,  hier  aber  nothwendig  die  Welt-Vernunft
  oder  ihren  stofflichen  Träger.  (Plut.  Mor.  138  F—I,
1G4  Dübn.;  166  C—I,  197  Dübn.;  706  A—II,  860  Dübn.  —
Vita  Demetr.  c.  1;  Arist.  Physiogn.  6,  p.  813,  b,  9;  11;  20.)
Doch  ist  jener  Sprung  von  den  ,Göttern'  zum  ,  Weltgeist'
nicht  ein  allzu  gewagter?  Lag  für  Kritias  überhaupt  und  speciell
an  dieser  Stelle  eine  Veranlassung  vor,  die  Philosopheme  der
spiritualistisclien  Schulen  seiner  Zeit  ernstlich  zu  berücksichtigen
und  sie  unter  die  theologischen  Dogmen  zu  mengen,  die  er
oder  sein  Sisyphus  bestreitet?  Beginnen  wir  mit  der  letztei’en
dieser  Fragen.  Dass  unser  Dichter  alle  Vorstellungen  und
Ausdrucksweisen  seiner  theologischen  und  metaphysischen  Gegner ­
  bunt  durch  einander  würfelt,  dies  konnten  wir  bereits  hinreichend ­
  erkennen.  Es  geschah  dies  von  Seiten  eines  so  geisteshellen ­
  Mannes  gewiss  nicht  ohne  die  Absicht,  diese  insgesammt
als  seine  gemeinsamen  Gegner  zu  kennzeichnen  und  mit  denselben ­
  Schlägen  Alle  zu  treffen.  Dass  er  aber  gerade  bei  der
Besprechung  der  göttlichen  Allgegenwart  nicht  nur  die  Gröttervielheit
  fallen  lässt,  sondern  die  jüngste  und  am  meisten  verfeinerte ­
  Ansicht  allein  hervorhebt,  dies  macht,  denk’  ich,  seinem
gesunden  Sinn  ebenso  viel  Ehre  als  seiner  Redlichkeit.  Denn
dass  die  als  menschenartige  Persönlichkeiten  aufgefassten  Einzelgötter, ­
  dass  die  individuelle  Hera  oder  Artemis  wirklich  überall
zugleich  anwesend  sei  —  wer  hätte  jemals,  geschweige  denn
in  einer  aufgeklärten,  mit  dem  Begriff  der  Möglichkeit  rechnenden ­
  Zeit  solch  einen  Gedanken  ernsthaft  zu  denken  vermocht? ­
  Je  gestaltloser  und  schattenhafter  hingegen,  je  mehr
zum  blossen  ,Weltgeist'  verflüchtigt  die  himmlischen  Mächte
gedacht  wurden,  um  so  glaubhafter  konnte  jene  Lehre  erscheinen. ­
  Somit  hat  Kritias,  vielleicht  ohne  viel  darüber  nachzudenken, ­
  zugleich  dem  Gebote  einer  ehrlichen  Polemik  und
dem  instinctiven  Bedürfniss  gehorcht,  nicht  zu  den  Menschen
der  Vergangenheit  sondern  zu  den  Kindern  seiner  Zeit  zu
sprechen,  indem  er  diesmal  den  ,Göttern'  den  Rücken  kehrte
und  auch  nicht  bei  dem  doch  immerhin  persönlichen  ,Dämon'
stehen  blieb,  ja  nicht  einmal  beim  ,Göttlichen'  Halt  machte,  sondern ­
  bis  zum  nebelhaften  ,Weltgeist'  fortschritt.  Wie  viel  aber
der  Grieche  in  Bezug  auf  derartige  unvermittelte  Uebergänge
vertrug,  wie  wenig  es  ihn  anfocht,  grundverschiedene  und,  genau
            
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