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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 79. Band, (Jahrgang 1875)

250

(Io  in  p  erz.

10.  Euripides  Frg.  254.
Dieses  von  der  Conjecturalkritik  mit  Vorliebe  behandelte
Bruchstück  der  Tragödie  Archelaos  bedarf,  meines  Erachtens,
keinerlei  gewaltsamer,  ja  genau  gesprochen  überhaupt  keiner
Aenderung.  Denn  als  solche  kann  es  nicht  gelten,  wenn  wir
das  vom  Schreiber  der  Handschrift  (des  Antholognomicum
Orionis  111,  1)  selbst  durch  darunter  gesetzte  Punkte  als  fehler-’haft
  bezeichnete  si  (wie  sclion  Meineke  wollte)  zu  =y.  mehr  ergänzen ­
  als  verändern,  wenn  wir  ferner  aus  vägoi  ,Gesetze'  durch
Verrückung  des  Accentes  vojj.o!  ,Weiden'  gewinnen  und  endlich
den  lückenhaften  zweiten  Vers  durch  das  Wort  ßpüet  am
Schlüsse  vervollständigen:
£•/.  xüv  oaat'wv  fap  vogoi  x’  aü^jij.axa
p-cvaXa  (pspouat,  Txavxa  8’  dvOpOxot?  (ßpuet) 1
xdo’  scrxt  5(p-(jp.ax’,  •!jv  xic  EÜaEßr,  Oesv.
/Nicht  Regen  und  Sonnenschein,  nein  gerechte  Thaten
sind  es,  die  das  Weideland  befruchten  und  ihm  reichen  Ertrag
entlocken,  ja  die  da  bewirken,  dass  den  Menschen  Alles,  dessen
sie  bedürfen,  in  reicher  Fülle  zu  Theil  wird.  Gottesverehrung
ist  Reichthum!'  So  ungefähr  können  wir  den  Gedanken  des
Dichters  umschreiben,  der  mit  der  epigrammatisch  zugespitzten
Schlusswendung  Bacon’s  modern  -  positivistischem  Worte:
,Knowledge  is  power'  in  echt  antik-religiöser  Weise  gleichsam
entgegnet  hat:  ,Piety  is  wealth!'
Man  vergleiche,  wenn  es  dessen  bedarf:  Odyss.  x,  109—14,
Hesiod.  iv.f,.  228—35,  und  Plato  Rep.  II,  363  B—C  (wo  die
Worte:  xoi?  oaioiq  a  cpacu  Osou?  otSivai  ....  6  p.ev  zaq  opu?  xol?
S'.y.ai'on;  y.xs.  zeigen,  wie  nahe  die  Begriffe  der  oaiöxY)<;  oder  eöcjsßsta
  und  der  äizaiocuvr;  im  antiken  Geiste  bei  einander  wohnten
und  wie  grundlos  Meineke’s  Annahme  einer  Lücke  vor  V.  3
ist,  in  der  von  der  Eucsßeia  die  Rede  gewesen  sein  soll,  Stob.
Flor.  Vol.  IV,  XL1V);  ferner  Herodot.  III,  65  (fin.),  VI,  139;
Sophocl.  Oed.  R.  25—27  und  Nauck  zur  Stelle  (insbesondere
Philostr.  Vit.  Apoll.  3,  20  ...  .  -/.ai  zäq  ayilaq  txovy)pwq  sßocry.£
[rj  Ob  aber  Euripides  mit  dem  Wort  au^vjgaxa  das  Wachsthum ­
  der  die  Heerden  nährenden  Gräser  und  Kräuter  oder  jener
selbst  bezeichnen  wollte,  wage  ich  nicht  zu  entscheiden.  Er
stellt  das  Gedeihen  der  Heerden  voran  —  denn  ,IIeerdenreich-
            
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