Homerische Studien
enklitisch und wirkt demnach eng verbunden auf seinen Nachbar
wie in einem Wortkörper. Für das feste Gefüge zeugt, dass
5; ot und Sv ol 7 mal die so missliebige Fuge zwischen dem
dritten und vierten Fuss überdeckt. Die durch solche Position
meist an ap und ev erzeugte offenbar schwache Länge verträgt
gut der erste Fuss; sie findet sich in ihm 23 mal. Die 12 Fälle
im zweiten Fuss sind bis auf 0 190 Uebertragungen aus dem
ersten. Das Possessivum vermag einen so engen Anschluss wie
das enklitische Pronomen nicht einzugehen, ebenso wenig ein
anderes der mit Digamma anlautenden Wörter. Unter diesen
sind oü ol s die einzigen enklitischen. Indem wir, gestützt auf
die analogen Vorgänge bei der Positionsbildung, diese Beschaffenheit
des Personalpronomens für genügend ansehen, die
Ausnahmsstellung desselben zu erklären, fühlen wir uns nicht
genöthigt, bei demselben eine andere, kräftigere Aussprache
des F vorauszusetzen, die sonst durch nichts gefordert wird.
Die Positionswirkung der W. oFs in der Thesis könnte
aber noch weniger verständlich sein, als sie es durch unsere
Erklärung hoffentlich geworden ist, es wäre ein Irrthum, wenn
man dieselbe sofort allen andern digammirten Stämmen vindiciren
und durch kühne Textesänderungen, wie dies an mehr
als fünfzig Stellen geschehen ist, realisiren wollte: Eine gesunde
Beobachtung wird sich bescheiden, aus den vorgelegten Thatsachen
die Regel zu abstrahiren: Digamma vermag consonantisch
auslautende Sylben nur in der Arsis zu
längen, in der Thesis bleiben sie kurz.
Aber auch jene verfallen einer voreiligen Folgerung, welche
zwar die Ueberlieferung jener 218 Verse mit Positionsvernachlässigung
vor Digamma unangetastet lassen, aber damit entschuldigen,
dass von dem Dichter derselben der Laut des Spiranten
nicht mehr gesprochen wurde. Denn sie bringen durch diese
Hypothese eine Buntscheckigkeit in die Homerischen Gedichte,
die nun erst in ihrem vollen Umfang erkannt, in keiner Dichtung
irgend einer Zeit oder eines Volkes etwas Analoges haben
dürfte und welche die spärlichen Belege wechselnden Anlautes,
die früher (Plom. Stud. I 2 14) zusammengebracht wurden, nicht
rechtfertigen können, wie ich damals noch glaubte. Ueberdies
zeigt sich Positionsvernachlässigung, sowie Elision oft genug
gerade in festen Formeln, die uns bei der Natur der epischen
Sitzungsber. d. pliil.-liiöt. CI. LXXV1II. Bd. 1. Hft. 0
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