54
H artel.
Lvpsiae 1866) auf und reclamirte neuerdings für Digannna die
Rechte eines vollen Consonanten, wie es scheint erfolgreich, indem
dagegen kein Widerspruch laut wurde. Wenigstens sieht Knös
in den Fällen der Elision und Positionsvernachlässigung eben so
viele Beweise der Nichtexistenz des Digamma. Auch Cauer, der
in Curtius’ Stud. VII 103 de jivonorninum personulium formis et
um Homerico im Anschluss an Knös handelt, stieg kein Zweifel
auf, den gerade die Formen des Pronomens erregen müssen.
Allerdings gehen Bekkcr’s Restitutionsversuche des Digamma
voraus und zahllose derselben fussen auf der Ueberzeugung,
welche auch Rumpf in seiner sonst trefflichen Beurtheilung
der Bekkerschen Textesänderungen (JJ. 1860) nicht zu bestreiten
suchte, dass Digamma die Rechte eines vollen Consonanten nach
aussen hin geniesse; nur nach innen soll es, wie Fvjvoavsv F^vawev
zeigen, solche Kraft verloren haben, indem diese und andere Formen
ohne jeden Einfluss des consonantischen Anlautes sich bilden.
Bekkcr fasst seine Meinung in die Worte (Hom. Bl. 1132 =
Mon. Ber. 1857, S. 141): ,Das Digamma, überall im Untergehen
begriffen, hat unter andern Ab Schwächungen auch die erlitten,
dass esConsonant nur nach aussen geblieben ist, Position machend
und Hiatus tilgend, nach innen aber zum Spiritus geworden,
der sich im Anlaut der Praeterita mit temporalem Augment
und gegebener Länge begnügt', und nimmt an Stellen, wo seine
Heilmittel versagen und dem Digamma weder zu einer Position
noch zu einem Hiatus verholten werden kann, nur Symptome
wahr, die trefflich stimmen ,zu all’ den übrigen Ungleichheiten
und Unverträglichkeiten, zu Widersprüchen, die seit Jahrtausenden
laut, und noch immer nicht laut genug, zeugen für die
ursprüngliche Verschiedenheit der Lieder, welche Pisistratus
und seine Freunde in die zwei grossen Gedichte zusammengelegt,
non bene iunctarum discordia semina rerum 1 (a. a. 0. 134).
Die Erwägung, dass es bei so viel Ungleichheiten, als trotz
der kühnsten Aenderungen noch übrig bleiben, auf einige mehr
nicht ankomme, hat Bekkcr in seinem Verfahren nicht- gestört.
Und so ist denn wohl nie auf einer schwankenderen Grundlage
— von der etymologischen Begründung ganz abgesehen,
deren Schwächen besonders Leskien beurtheilt 1 — ein massigerer
1 Andere Arbeiten über den Gegenstand werden' wir gelegentlich berücksichtigen.
Savelsberg’s treffliche Arbeit, welche das inschriftliehe