Beiträge zur Literaturgeschichte der SPä und der sunnitischen Polemik.
451
Dein Kapitel der Unterschiebung apokrypher Tenderiztraditionen
sunnitischorseits ist noch ein anderes eng verwandtes
an die Seite zu stellen: die Unterdrückung oder mindestens
Vernachlässigung authentisch beglaubigter Sätze aus
purem Partei- und Sectenfanatismus. Wie aus al-.Navavi’s
Commentar zu Muslims Traditionssammluug Bd. I p. ||v
hervorgeht, war es auch Furcht vor Machthabern oder gefürchteten
Factionen, welche schon in der ersten Zeit des Islam
die allerfrühesten Tradenten der prophetischen Aussprüche viele
Stücke der Tradition zu unterdrücken oder wenigstens nicht
zu verbreiten veranlasste, namentlich wenn an der betreffenden
Stelle ein Tadel oder Fluch enthalten ist; 1 auch solche Aussprüche
wurden zuweilen unterdrückt, welche religiösen Secten
Gelegenheit geben, durch falsche Interpretation Missbrauch zu
treiben. 2 Aber auch Antipathien gegen die Familie 'Alis waren
Ursache von Traditionsunterdrückung. Eine so feste, sunnitische
Theologenautorität wie der berühmte Dogmatiker und
Exeget Fachr-al-Din al-Räzi liefert uns in dieser Beziehung
einen Beitrag. Es handelt sich um die für uns allerdings
höchst müssige Frage, ob bei der Rccitirung der die fätiha
eröffnenden Eulogie: b ism-illähi u. s. w. diese hörbar laut
gesprochen werden müsse, oder ob ein leises Hersagen derselben
genügt? eine Frage, in deren Beantwortung die Riten
divergiren. Diese Divergenz soll von dem nicht genugsam
festgestellten Text eines durch Anas b. Mälik tradirten Ausspruches
herrühren, in welchem mitgetheilt wird, dass vorzugsweise
'Ali b. Abi Talib die fragliche Formel laut zu recitiren
liebte. Eine jede Ritusrichtung schliesst sich einer anderen
der sechs Traditionsvarianten des durch Anas aufb’ewahrteu
1 dvö ji, p-g-Ä* a-UI I jjfi JA.«.
Syjy'ö J*-c Lj
Lo xx/oL* jl xTjli' iboL*.Jt
oLj^L !jjupy -*y’ s ; lo5H, LJ! ^Li-L
,V-gA J» * 3 • ifüuÄw-C
2 Al-Nawawi zur Tr ad i t io nssammlung des Muslim Bd. I p. | o 4