Beiträge zur Literaturgeschichte der Si r ä und der sunnitischen Polemik. 441
Arbeiten waren von diesem Schicksale nicht verschont. Um
nur bei der Literatur der Si'a zu bleiben, so ist es genug;
anzuführen, dass ein so geist- und talentvoller Tendenzdichter
wie Ihn Häni’ fast nur dem Namen nach bekannt geblieben
wäre, wenn nicht der unermüdlich forschende Alfred von
Krem er ein Exemplar seines Diwans in Syrien auffindet und
daraus seine werthvollen Mittheilungen über die Haltung dieses
Hofpoeten des fatimitischen Eroberers von Aegypten veröffentlicht.
1 Um ein Beispiel aus älterer Zeit anzuführen, so erwähne
ich noch Abu-l-Faräg al Isfahäni’s Verhalten gegen den
imamitischen Dichter al-Sejjid al-Himjari, einen der berühmtesten
Dichter imamitischen Bekenntnisses, sowohl was den
inneren poetischen Werth seiner Dichtung anlangt, als auch
was die reiche Menge des von ihm Geleisteten betrifft. Man
muss bedenken, dass der Verfasser des Buches der Gesänge
selbst Si'ite war 2 und dass an ihm das Unterdrücken imamitischer
Tendenzen desto auffälliger ist. Dennoch sagt er von
diesem Dichter Folgendes: ,Er war einer der alten Dichter
und der durch die Natur für das Dichten Begabten. Man
sagt, dass in der Zeit vor und nach Muhammed drei Dichter
die grösste Productivität entfalteten: Bassär, Abu-1- Atähijjä
und unser al-Sejjid Jedoch sein Angedenken starb aus
und die Menschen flohen seine G.edichte, weil er in denselben
die Genossen der Propheten und seine Gattinnen in übertriebener
Weise lästerte, sie beschuldigte und verläumdete. Darum
hütete man sich vor seinen Gedichten dieser und anderer Gattung
und floh dieselben aus Furcht und Achtsamkeit. Er hatte
eine besondere Art und Richtung in der Dichtkunst, der aber
sehr selten Jemand anhängt. Es ist auch nicht viel von seinen
Gedichten bekannt; 3 sie sind nicht frei vom Lobe der Beim
Hasim und dem Tadel ihrer vermeintlichen Gegner. Wären
1 Ueber den shi'itischen Dichter Abu-l-Kasim Mohammed ihn
Häni* Zeitschr. d. d. mgl. Ges. Bd. XXIV (1870) p. 481—494.
2 Vgl. Nöldec.ke’s Einleitung in seine Geschichte des Korans p. XVIII.
Er wird auch in einem besonderen Artikel erwähnt in al-Tusi’s List öf
Sh ja books ed. Sprenger (Bibliotheca indica).
2 Dabei soll er nur vom Lobe der HlVsimiten allein 2300 Kasiden gedichtet
haben.