Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

Die  Bibliothek  und  Gorrespondenz  des  Beatus  Rlieuanus  zu  Schlettstadt.

339

doch  grüsst  er  durch  Spalatin  auch  soiucrscits  Melanchthon,
in  dessen  Briefsammlung  ein  Brief  dos  Khenanus  vermisst
wird.  Die  Begeisterung  für  den  berühmten  Mann  führt  Viele
nach  Schlettstadt,  um  ihn  zu  sehen,  in  weiter  Ferne  gedenkt
man  seiner  beim  Becher  und  bringt  ihm  ein  Hoch  aus,  der
Wiener  Bischof  Nausea  nennt  ihn  einen  ,unvergleichlichen
Mann'.  Jedes  seiner  Werke  wird  mit  dem  grössten  Interesse
aufgenommen,  Aventin  u.  A.  drückt  seine  Freude  über  die
vorbereitete  Pliniusemendation  aus  ,de  Plinio  quod  seribis,  äussert
er  um  1521,  plurimum  gaudeo,  semper  indigne  tuli,  praestantissimuin
  eorum,  quos  lingua  latina  habet  tantum  negligi'.  Als
er  an  seiner  Tertullianedition  arbeitete,  schrieb  ihm  der  berühmte ­
  Damian  von  Göes:  eundem  Tertullianum  propediem  a
te  repurgatum  multi  viri  docti  auidissime  expectant.  Quam
fac  uti  tantorum  virorum  spem  ne  fallas.  Bucer  aber  bat  ihn,
sich  der  Thränen  über  den  Tod  seines  Vaters  zu  enthalten,
damit  seine  Augen  für  die  Emendation  des  Tertullian  frisch
blieben.  Jede  Ankündigung,  dass  er  etwas  schreiben  wolle,
erregt  die  grösste  Aufmerksamkeit  und  lebhafte  Sehnsucht  nach
dem  wirklichen  Erscheinen;  man  verlangt  gierig  mehr  von  ihm,
als  der  so  überaus  fleissige  Manu  leisten  kann.  Brunfels  klagt
z.  B.  einmal  (1520),  dass  lihenanus’  Musen  schweigen:  ubi  tuae
Pandectae?  Ubi  Patereulus  ille,  quem  nobis  polliceris  in  scoliis
  T.  (?)  Legi  commentarios  tuos  in  Claudium  Senecae,  quam
tersa  omnia,  quam  latina!  quam  graeca!  quautum  legisti,  quantum
  tenes!  Confundis  nos  semidoetos  o  doctissime  Rhenane!
—  So  hoch  steht  Rhenanus  als  Gelehrter  da,  dass  man  bei
einem  Gerüchte  vom  Tode  des  Erasmus  sieh  sofort  in  einer
gelehrten  Angelegenheit,  in  der  Erasmus  als  Richter  erbeten
ward,  an  Rhenanus  wendet;  man  erkennt  ihn,  wenn  auch  nicht
mit  Recht,  gewissermassen  als  dessen  Thronfolger  im  Reiche
der  Philologie  an.
Wesentlich  verschieden  ist  das  Verhältniss,  in  dem  Rhenanus ­
  zur  Reformation  steht.  Sagen  wir  es  mit  einem  Worte:
so  gross  er  auf  dem  Gebiete  der  stricten  Gelehrsamkeit  erscheint, ­
  so  klein  ist  er  hier.  Schon  an  einem  anderen  Orte
habe  ich  die  Stellung  des  Rhenanus  zu  dieser  grossartigsten  Entwickelung ­
  unseres  Geisteslebens  dargelegt,  bis  auf  das  Jahr
liess  sich  die  Wendung  bestimmen,  die  aus  Rhenanus,  dein
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.