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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

Die  Bibliothek  und  Correspondenz  des  Beatus  Rhenanus  zu  Schlettstadt.

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Brief,  man  sieht,  er  weiss  niciit,  was  besser  wäre,  ob  Luther
nach  Worms  gehen  oder  ob  er  nicht  gehen  solle;  könne  er
nicht,  so  hätten  die  Feinde  einen  guten  Anlass,  ihn  für  einen
Feind  zu  erklären.  Aber  auch  viele  Zeichen  der  Zeit  und  der
Volksstimmung  werden  berichtet,  da  reist  z.  B.  ein  Mönch
gegen  Rom,  wirft  auf  halbem  Wege  die  Kutte  von  sich  und
wird  weltlich;  in  Mainz  erhebt  sich  das  ganze  Volk  gegen  die
Verbrennung  der  lutherischen  Bücher,  selbst  der  Scharfrichter
erklärt,  er  richte  kraft  seines  Amtes  nur  die  Verurtheilten,
Aleander  selbst  wird  bedroht  (wie  Rhenanus  an  Bonifaz  Amorbach ­
  schreibt),  in  Rappersweiler  lässt  man  in  einem  Versspiele
den  Papst  sammt  seinen  Cardinälen,  zugleich  aber  auch  Juden
und  Gauner  unter  dem  kaiserlichen  Joch  durchgehen.  Die
bigotten  Schlettstädter  dagegen  schlagen  zur  Revanche  einen
papierenen  Luther  und  Hutten  an’s  Kreuz,  wie  Sandi  Zeller
aus  Schlettstadt  berichtet.  Doch  genug  von  diesen  Notizen,
die  sich  unschwer  vermehren  lassen,  es  fehlt  auch  nicht  an
dem  Rückschläge.  Vom  kaiserlichen  Hoflager  in  Granada
schreibt  u.  A.  Mercurinus  Gattus  um  152(1,  es  gebe  drei  Parteien: ­
  eine  sinnlos  päpstliche,  eine  verbissen  lutherische,  eine,
der  es  wirklich  auf  das  Christenthum  ankäme,  und  bemerkt
hiezu:  Lutheranorum  factionem  ita  semper  oppressam  optaui  et
omnino  eradicaretur  caeteraque  corrigerentur  mala  quod  Caesaris
nostri  auspiciis  futurum  spero.  Männer,  die  ursprünglich  Luther
und  seiner  Reform  zugethan  waren,  wie  z.  B.  Zasius,  fielen  im
Verlaufe  von  ihm  ab;  wir  erfahren  von  Rhenanus  selbst,  warum
Zasius  diess  gethan.  Nunc  nonnihil  immutatus  est,  quum  monuerit
  Lutherus  praestare  sacerdotes  uxoribus,  quam  scortis
esse  copulatos.  In  den  späteren  Jahren  war  der  Abfall  in
diesem  Kreise  ein  sehr  grosser,  Humanismus  und  Reformation
■gingen  eben  nicht  mehr  Hand  in  Hand,  es  erfolgte  jener
Scheidungsprocess,  der  die  stärkeren  und  energischeren  Naturen
zur  Sache  des  Protestantismus  führte,  die  Aengstlicheren  aber
sich  zurückziehen  liess.  Die  reactionäre  Stellung,  die  Rhenanus
in  diesem  Scheidungsprocesse  einnahm,  soll  später  noch  erwähnt ­
  werden;  es  ist  begreiflich,  dass  die  Correspondenten,  die
dem  Rhenanus  noch  treu  blieben,  meist  aus  dem  Lager  der
Conservativen  sind.  So,  um  nur  Weniges  hervorzuheben^
schreibt  ein  Canonieus  aus  Worms:  illaudati  etiam  viri  sunt,
            
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