Die Bibliothek und Correspondenz des Beatus Rhenanus zu Schlettstadt.
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Brief, man sieht, er weiss niciit, was besser wäre, ob Luther
nach Worms gehen oder ob er nicht gehen solle; könne er
nicht, so hätten die Feinde einen guten Anlass, ihn für einen
Feind zu erklären. Aber auch viele Zeichen der Zeit und der
Volksstimmung werden berichtet, da reist z. B. ein Mönch
gegen Rom, wirft auf halbem Wege die Kutte von sich und
wird weltlich; in Mainz erhebt sich das ganze Volk gegen die
Verbrennung der lutherischen Bücher, selbst der Scharfrichter
erklärt, er richte kraft seines Amtes nur die Verurtheilten,
Aleander selbst wird bedroht (wie Rhenanus an Bonifaz Amorbach
schreibt), in Rappersweiler lässt man in einem Versspiele
den Papst sammt seinen Cardinälen, zugleich aber auch Juden
und Gauner unter dem kaiserlichen Joch durchgehen. Die
bigotten Schlettstädter dagegen schlagen zur Revanche einen
papierenen Luther und Hutten an’s Kreuz, wie Sandi Zeller
aus Schlettstadt berichtet. Doch genug von diesen Notizen,
die sich unschwer vermehren lassen, es fehlt auch nicht an
dem Rückschläge. Vom kaiserlichen Hoflager in Granada
schreibt u. A. Mercurinus Gattus um 152(1, es gebe drei Parteien:
eine sinnlos päpstliche, eine verbissen lutherische, eine,
der es wirklich auf das Christenthum ankäme, und bemerkt
hiezu: Lutheranorum factionem ita semper oppressam optaui et
omnino eradicaretur caeteraque corrigerentur mala quod Caesaris
nostri auspiciis futurum spero. Männer, die ursprünglich Luther
und seiner Reform zugethan waren, wie z. B. Zasius, fielen im
Verlaufe von ihm ab; wir erfahren von Rhenanus selbst, warum
Zasius diess gethan. Nunc nonnihil immutatus est, quum monuerit
Lutherus praestare sacerdotes uxoribus, quam scortis
esse copulatos. In den späteren Jahren war der Abfall in
diesem Kreise ein sehr grosser, Humanismus und Reformation
■gingen eben nicht mehr Hand in Hand, es erfolgte jener
Scheidungsprocess, der die stärkeren und energischeren Naturen
zur Sache des Protestantismus führte, die Aengstlicheren aber
sich zurückziehen liess. Die reactionäre Stellung, die Rhenanus
in diesem Scheidungsprocesse einnahm, soll später noch erwähnt
werden; es ist begreiflich, dass die Correspondenten, die
dem Rhenanus noch treu blieben, meist aus dem Lager der
Conservativen sind. So, um nur Weniges hervorzuheben^
schreibt ein Canonieus aus Worms: illaudati etiam viri sunt,