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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

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II  o  r  a  w  i  t  z.

Rhenanus;  jubelnd  schreibt  M.  Hummelberger,  als  er  von  der
Uebersiedlung  des  Erasmus  nach  Basel  hört.  Das  Gerücht
seines  Todes  erregt  Verzweiflung,  Alles  was  ihn  betrifft,  seine
Reisen,  seine  Auszeichnungen  werden  genau  notirt  und  den
Freunden  als  hochwichtige  Angelegenheit  mitgetheilt.  Allerdings
die  Ehren,  die  Erasmus  von  den  Fürsten  nicht  bloss,  sondern
auch  von  einfachen  Bürgern  genoss,  waren  für  ihn  wol  höchst
schmeichelhaft,  für  unsere  Zeit  aber  beschämend.  Wie  Rhenanus
ihn  verehrte,  weiss  man;  geradezu  schwärmerischen  Ausdruck
findet  diese  Verehrung  in  einem  Briefe  an  Nesen  (er  stammt
wol  aus  der  Jugendzeit),  in  dem  er  diesen  zu  seinem  Zusammenleben ­
  mit  Erasmus  gratulirt.  Er  fährt  darauf  folgendermassen
fort:  ,Nam  quid  aliud  est  Erasmo  habitare,  quam  inter  ipsas
versari  Musas,  quid  cum  illo  simul  eadem  mensa  accumbere
quam  celesti  interesse  convivio.  Equidem  artiurn  inventrices
Musae  praedicentur  ,  sed  quid  est  aliud  Erasmus  quam  universarum
  artium  quoddam  quasi  -avooy.sTov?  Et  singuli  in  singulis
  aliquando  excellunt  at  hic  in  omnibus  primatum  (?)  tenet'.
Auch  Favre  von  Etaples  geräth  in  Entzücken,  wenn  er  eine
Schrift  des  Erasmus  erhält;  weder  Midas  noch  Crösus  hätten
ihn  mit  ihren  Schätzen  so  erfreut,  als  Rhenanus  durch  die
Uebersendung  einer  solchen  Schrift,  schreibt  er  um  1519.  In
ergötzlicher  Weise  schildert  Mutian,  wie  er  zu  mehreren
Briefen  des  Erasmus  ,des  christlichen  Cicero'  gekommen:
,Semel  atque  iterum  ad  me  scripsit  omnium  humanissimus,
nullis  meis  meritis  tan  tum  inepta  quadam  epistola  subinvitatus,
quam  Eobauus  inter  pocula  impetrauit  et  expressit.  Vide,  quod
faciat  poetica  suauitas.  Negare  non  potui,  piget  et  pudet.
Quid  quaeris  ?  Religiosius  salutandum  erat  numen.  Scripsi
ebrius  et  nihilominus  bis  sum,  o  inauditam  facilitatem  resalutatus.
  ln  ardua  nititur  et  ascendit  et  tarnen  interim  ad  amicorum
  parvitatem  sese  demittit'.  Und  als  es  1520  heisst,  dass
Erasmus,  ,der  Phönix  der  gelehrten  Welt'  gestorben,  schreibt
Georg  Schirm  aus  Mailand:  ,cund  stupore  et  moerore  pei-cepi.
Den  wirklichen  Heimgang  epilogisirt  in  der  Correspondenz
der  würdige  Paul  Volz.
            
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