Die Bibliothek und (Jorrespondenz des Beatus Bhenanus zu Sclilettstadt. 329
beziehen, doch kann ich diess hier füglich übergehen und will
bloss bemerken, dass es auch an Angaben über Versionen
nicht fehlt. Die meisten sind Uebersetzungen aus dem Griechischen
in’s Lateinische, öfter aber erschienen auch Versionen
in’s Deutsche. So unternahm es Schott mit Hinzuziehung von
,Astrologen“, Aerzten und anderen Gelehrten des Plinius
,naturalis historia“ in’s Deutsche übersetzen zu lassen. Heinrich
von Eppendorf sollte die ,nuncupatio ad Titum“ übersetzen:
,dii optimi“, schreibt dieser, ,quanta obscuritas et que comentantium
somnia!“ Schliesslich bittet er den Rhenanus, seine ihm
gar nicht genügende Version zu bessern. Doch genug hievon!
Wurde früher die Einwirkung italienischer Vorbilder deutlich
gemacht, so waren es dennoch die italienischen Humanisten
nicht in erster Linie, aus denen unsere Geister zweiten und
dritten Ranges schöpften, sondern vielmehr die grossen Meister,
wie Erasmus, die allerdings ihre Vorbilder selten nannten.
Erasmus ist denn, wie ich schon früher sagte, wenigstens bis
1525 so entschieden und anerkannt der ,princeps literarum“,
wie ihn u. A. Huttichius nennt, dass es wol keinen Briefwechsel
aus jenen Tagen geben wird, der ihn unerwähnt Hesse. Auch
die vorliegende Sammlung bietet der Beweise hingebender
Verehrung, enthusiastischer Bewunderung und unbedingter Unterordnung
unter den grossen Gelehrten eine reiche Fülle. Ausser
dem scharfen Schreiben Eppendorfs an Rhenanus und einer
treffenden kritischen Bemerkung M. Hummelberger’s über
die Heftigkeit des Erasmus (perplacet mihi Erasmi nostri
lingua, sed quaeso te, quur tarn prodiga et infrenis est, quae
Omnibus frenum addit et parcitatem suadet? num sui oblita
est, dum aliis loquacitatem exprobat, ipsa est loquacissima
lepida lingua,. non plura, ne Erasmica lingua sim linguacior)
athmen alle Briefe die höchste Devotion, es ist für jeden
Schreiber eine hohe Ehre, wenn er einen Gruss an den gewaltigen
Philologen senden oder sich nach seinem Befinden,
ja vielleicht gar nach seiner Arbeit erkundigen darf. Die
gelehrten Streitigkeiten mit Lee und Dorpius werden als eine
Art Blasphemie betrachtet, aus Mähren und Ungarn, wie aus
Frankreich gelangen begeisterte Ergüsse über Erasmus an