Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

324

Horawitz.

Auch  in  diesen  Gelehrten  wird  die  Sehnsucht  nach  dem  Ruhme
lebendig-,  wenn  auch  nicht  in  so  überschwänglicher  Form,  wenn
auch  nicht  in  so  tiefer  und  Alles  beherrschender  Weise.  Es
klingt  wohl  kühl  und  schülerhaft,  wenn  Einer  der  Correspondenten ­
  (Nicolaus  Pruckner  aus  Mühlhausen)  dem  Rhenanus
dankt,  dass  er  seinen  Namen  dem  ewigen  Gedächtniss  der
Menschheit  erhalten  habe  und  er  gesteht:  ,neque  enim  ex  caucasea
  silice  natus  sum,  ut  famae  dulcedine  non  tangar,  quam
ne  Herostratus  quidem  neglexit'  —  aber  es  ist  doch  dasselbe
Gefühl  für  den  Ruhm,  das  Jene  erfüllte.  Auch  hier  ist  es  das
innigste  Streben,  ein  ,homo  bilinguis“  —  seit  Reuchlin’s  Anregung ­
  :  ,ein  homo  trilinguis'  zu  werden.  Wie  Felix  Platter
schreibt,  waren  aber  Graeca  noch  selten  im  Lande.  Alles,  was
darauf  hinzielt,  sich  die  Kenntniss  dieser  Sprache  erwerben
zu  können,  wird  begierig  erstrebt  und  benützt.  Wie  Rhenanus
selbst  Konon’s  Unterricht,  so  suchen  Andere  den  seinigen,  um
bald  die  griechischen  Classiker  lesen  zu  können.
Mit  Begeisterung  spricht  A.  Burer,  der  geliebte  Schüler
des  Rhenanus  und  spätere  Vellejusemendator,  um  1519  von  den
Erfolgen,  die  Zwingli  als  Lehrer  in  Zürich  erringt.  ,Graecissat
pars  una,  altera  graecatur,  graecissantium  autem  praecipuus  est
amicus  ille  noster  .  .  .  deinde  Nicolaus  Bauarus  ueteranus  ille
Christi  miles,  Georgius  victor  alias  Binderus  ludi  litterarii  Tigurini
  moderator  egregius,  Henricus  Nuischeller  summi  ibidem
templi  canonicus  et  Henricus  Buchter  monachus*  .  .  .  Dieses
sei  das  Zürcher  ,sodalitium  literariumb  Es  erregt  grosse  Freude,
als  es  heisst,  Nepos  wolle  in  Basel  Griechisch  lesen.  Andere
verlegen  sich  auf  Autodidaxis,  wie  Eppendorf;  wie  sehr  man
aber  die  Bedeutung  des  Griechischen  zu  schätzen  weiss,  zeigt
u.  A.  Stumpf’s  Brief  an  Rhenanus,  in  dem  er  wünscht,  dass
sein  Sohn  mit  13  Jahren  schon  ,trilinguis‘  werde.  Manche
aber  eilen  an  die  Quelle  des  griechischen  Unterrichts  nach
Italien,  Merbel  erzählt  z.  B.  von  einem  Freunde  (Wizo),
er  sei  nach  Rom  gezogen  ,videndi  Romam  cupidior  forte  ob
vetustatem  magis,  quam  sanctitatemb  Uebrigens  bildet  den
eigentlichen  Mittelpunkt  der  Correspondenten  wie  natürlich  der
allgefeierte  Erasmus,  sein  Supremat  in  dieser  Gelehrtenrepublik
ist  übei'all  anerkannt,  sein  Bild  ist  Gegenstand  der  Sehnsucht
für  Viele,  um  nur  einige  zu  nennen,  für  Mutian,  wie  für
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.