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H o r a w i t z.
Schriften herauszuschneiden und dem Rhenanus zu schicken,
freilich verlangt er sie wieder zurück, dass es Niemand merke.
Diess war denn auch der Grund, dass man häufig nur
mit grossem Misstrauen den Humanisten den Zutritt zu den
Bibliotheken verstattete. Aventin u. A. weiss 1525 nicht genug
über die Mönche zu eifern, ,qui monumenta sicuti sacra sexcentis
clauibus in cistis conclusa seruant, nec te nisi jussu eins,
cui parere necesse est, eadem uel a limine salutare sinunt.
Proinde nisi aere et edicto principis sub cujus ditione illa
templa sita sunt, instructus fueris, frustra omnia tentash
Ebenso ergieng es Huttichius um 1536 in der Strassburger
Dombibliothek, die sehr reich gewesen, aber von Heldung u. A.
so bewacht wurde, ,ut facilius mala Hesperidum quis decerpat,
quam illam intueri liceat. Cauent omnino ne ad manus studiosorum
vetustatis ueniant, taceo aeditionem'. Der Arzt Gabriel
Hummelberger schreibt über die St. Gallener Bibliothek um
1526: ,Apud sanctum Gallum est bibliotheca antiquissima et
optimis voluminibus, ut audio referta. Sed nullis aut paucis et
his quidem notis et selectis videndi ejus copia datur et introitus'.
Er forscht auch nach den ,bella germanica' (XX. 11.) des
Plinius und meint, sie müssten in Schwaben versteckt sein.
Um so grösseren Jubel musste es erzeugen, wenn die Bewahrer
der Schätze selbst auf halbem Wege den Forschern entgegenkamen,
so waren es z. B. Michael Westermann und der Dechant
Reichard von Riepur, die im October 1529 an Rhenanus den
Codex des Livius sandten ,qui in templi nostri bibliotheca
continetur' — es ist der Wormser Codex, den Rhenanus ausser
dem wol untergegangenen Cod. Spirensis seiner mit Gelenius
gemeinsam edirten Liviusausgabe zu Grande legte. Westermann
begleitete die Sendung mit den Worten: ,Utinam tuo voto
redderet' und bemerkt weiters, der Dechant hätte gerne auch
Exemplare anderer Bibliotheken geschickt, wenn ihm seine
Ueberbürdung diese Mühewaltung gestattet hätte. Einer der
thätigsten Förderer war aber des Rhenanus’ Pariser Schulfreund,
der gelehrte Michael Plummelberger aus Ravensburg, den ich
noch öfter werde nennen müssen. 1 Er war es, der den Rhenanus
auf die Peutinger’sche Tafel (schon um 1526) aufmerksam
machte und ihn veranlasste, desshalb und anderer Alterthümer
1 lieber ihn werde ich demnächst eine Monographie ediren.