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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

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H  o  r  a  w  i  t  z.

Schriften  herauszuschneiden  und  dem  Rhenanus  zu  schicken,
freilich  verlangt  er  sie  wieder  zurück,  dass  es  Niemand  merke.
Diess  war  denn  auch  der  Grund,  dass  man  häufig  nur
mit  grossem  Misstrauen  den  Humanisten  den  Zutritt  zu  den
Bibliotheken  verstattete.  Aventin  u.  A.  weiss  1525  nicht  genug
über  die  Mönche  zu  eifern,  ,qui  monumenta  sicuti  sacra  sexcentis
  clauibus  in  cistis  conclusa  seruant,  nec  te  nisi  jussu  eins,
cui  parere  necesse  est,  eadem  uel  a  limine  salutare  sinunt.
Proinde  nisi  aere  et  edicto  principis  sub  cujus  ditione  illa
templa  sita  sunt,  instructus  fueris,  frustra  omnia  tentash
Ebenso  ergieng  es  Huttichius  um  1536  in  der  Strassburger
Dombibliothek,  die  sehr  reich  gewesen,  aber  von  Heldung  u.  A.
so  bewacht  wurde,  ,ut  facilius  mala  Hesperidum  quis  decerpat,
quam  illam  intueri  liceat.  Cauent  omnino  ne  ad  manus  studiosorum
  vetustatis  ueniant,  taceo  aeditionem'.  Der  Arzt  Gabriel
Hummelberger  schreibt  über  die  St.  Gallener  Bibliothek  um
1526:  ,Apud  sanctum  Gallum  est  bibliotheca  antiquissima  et
optimis  voluminibus,  ut  audio  referta.  Sed  nullis  aut  paucis  et
his  quidem  notis  et  selectis  videndi  ejus  copia  datur  et  introitus'.
Er  forscht  auch  nach  den  ,bella  germanica'  (XX.  11.)  des
Plinius  und  meint,  sie  müssten  in  Schwaben  versteckt  sein.
Um  so  grösseren  Jubel  musste  es  erzeugen,  wenn  die  Bewahrer
der  Schätze  selbst  auf  halbem  Wege  den  Forschern  entgegenkamen, ­
  so  waren  es  z.  B.  Michael  Westermann  und  der  Dechant
Reichard  von  Riepur,  die  im  October  1529  an  Rhenanus  den
Codex  des  Livius  sandten  ,qui  in  templi  nostri  bibliotheca
continetur'  —  es  ist  der  Wormser  Codex,  den  Rhenanus  ausser
dem  wol  untergegangenen  Cod.  Spirensis  seiner  mit  Gelenius
gemeinsam  edirten  Liviusausgabe  zu  Grande  legte.  Westermann
begleitete  die  Sendung  mit  den  Worten:  ,Utinam  tuo  voto
redderet'  und  bemerkt  weiters,  der  Dechant  hätte  gerne  auch
Exemplare  anderer  Bibliotheken  geschickt,  wenn  ihm  seine
Ueberbürdung  diese  Mühewaltung  gestattet  hätte.  Einer  der
thätigsten  Förderer  war  aber  des  Rhenanus’  Pariser  Schulfreund,
der  gelehrte  Michael  Plummelberger  aus  Ravensburg,  den  ich
noch  öfter  werde  nennen  müssen. 1  Er  war  es,  der  den  Rhenanus
auf  die  Peutinger’sche  Tafel  (schon  um  1526)  aufmerksam
machte  und  ihn  veranlasste,  desshalb  und  anderer  Alterthümer

1  lieber  ihn  werde  ich  demnächst  eine  Monographie  ediren.
            
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