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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

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H  o  r  a  w  i  t  z.

man  auch  Büchern,  die  von  Plato  handeln  oder  seine  Philosophie ­
  zum  Gegenstand  ihrer  Besprechung-  nehmen,  z.  B.  der
Mischhand  38.,  der  viele  Platoniker  enthält,  endlich  Platon’s
Werke  mit  der  Interpretation  des  Marsilius  Ficinus,  Basel,
Frohen  1532.  Alles  das  erlaubt  wol  den  Schluss,  dass  in  dem
erasmischen  Kreise  der  Platonismus  durch  die  Italiener  Eingang ­
  gefunden,  was  ja  auch  noch  durch  andere  Thatsachen
festgestellt  ist.  Doch  genug  davon!  Das  Wichtigste  in  der
Bibliothek  sind  ja  die  Inedita,  die  circa  dreihundert  Briefe  —
die  meisten  Originale  —  von  und  an  Beatus  Rhenanus.  Mit
Ausnahme  derer  von  Bucer,  die  von  Baum  in  seinem  Werke
über  diesen  Reformator  und  deren  von  Zwingli,  die  hei
Schultliess  abgedruckt  wurden,  sind  alle  unbekannt.  Leider
merkt  man  den  Briefen  gar  sehr  die  frühere  Verwahrlosung
an,  einige  befinden  sich  im  traurigsten  Zustande,  bei  vielen  ist
die  Schrift  schon  ganz  vergilbt,  anderen  fehlen  ganze  Stücke,
oft  eine  halbe  Seite,  bei  manchen  lässt  sich  der  Text  nur  durch
Conjecturen  herstellen.  Auch  die  Bedeutung  der  Briefe  ist
eine  verschiedene  ;  neben  den  wichtigen  von  Hutten,  Peutinger,
Zwingli,  Bucer,  Aventin,  Caluus,  Brunfels,  Volz,  Eppendorf,
Favre  von  Etaples  u.  A.  laufen  auch  blosse  Bettelbriefe  mit
unter,  Stadtklatsch,  Empfehlungsepisteln  u.  dgl.  Aber  dennoch
ist  der  Reichtlmm  an  Material,  den  wir  aus  diesen  Briefen
gewinnen,  so  gross,  dass  durch  eine  Edition  derselben,  wie  sie
die  Firma  Teubner  durch  mich  veranstalten  lässt,  für  die  Geschichte ­
  der  Reformation  wie  des  Humanismus  wol  einiger
Gewinn  zu  erzielen  sein  wird.  Ein  flüchtiger  Ueberblick  über
die  Correspondenz  möge  dies  erweisen.  Nicht  bloss  in  die
gewaltigen  Geisteskämpfe,  nicht  bloss  in  die  Stimmungen  jener
grandiosen  Zeit  werden  wir  durch  sie  eingeführt,  mit  der
grössten  Lebendigkeit  schildern  die  Zeitgenossen  die  Begebenheiten, ­
  die  sie  erregen,  das  Ueberraschende,  Neue,  den  Zusammenbruch ­
  des  Alten;  wir  empfinden  die  Bewegung  mit,
durch  die  Geist  und  Herz  der  damals  Lebenden  berührt  und
erschüttert  wurden.  Aber  weiters  ist  es  —  und  diess  ist  für
das  Ziel,  das  sich  das  gegenwärtige  Referat  steckt,  das  Entscheidende ­
  und  Massgebende  —  der  tiefe  Einblick  in  die
Arbeit  der  Studirstube,  in  die  stillen,  prunklosen,  aber  folgenund
  segensreichen  Eroberungen  und  Erfolge  gelehrter  Thätigkeit
            
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