Lotts Kritik der Herbart’schen Ethik und Herharts Entgegnung.
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würde. Ich habe behauptet und behaupte noch, dass Vergeltung
nicht Motiv der Strafe sein darf; und zwar, weil diess
Motiv ein Uebelwollen in sich schliesst. Zwar nicht ein Uebelwollen
im Allgemeinen. Aber das Motiv ist auch nicht ein
fremdes, nicht so beschaffen, dass, wenn man es analysirt,
der Zweck sich absondern liesse vom Uebelthun als einem
blossen Mittel. Diess aber muss bei zulässigen Motiven
durchaus vollständig geschehen. Soll ich das Oftgesagte wiederholen,
dass aus jenem Motiv die ärgste Barbarei folgen würde,
wo es darauf ankäme, barbarische Verbrechen genügend nach
ihrem vollen Gewichte durch die Strafe zu bezahlen? Soll ich
eine Hölle ausmalen, die solchergestalt ein höchst nöthiger
Appendix der Erde sein würde? Keine von allen poetischen
Höllen würde dazu hinreichen, wenn man nicht etwa nach
alter Weise die Seelen zwar brennbar aber unverbrennlich
macht, damit sie recht lange braten können.
7. Ich übergehe manches, um über die Vollständigkeit
der Ideenreihe noch ein Paar Worte zu sagen. Wer dagegen
etwas ausrichten will, beliebe einen Versuch anzustellen.
Das Erste, was sich darbietet, ist, die Gesellschaft ins
eigene Innere einer Person zu verpflanzen; denn der gebildete
Mensch ist vielfach zur Persönlichkeit gereift. Die Betrachtung
möchte auf manches Bekannte über den innern Umgang stossen,
— welches jedoch grade desshalb nicht elementarisch sein,
nicht die Reihe der Principien vermehren kann, weil es die
gesellschaftlichen Ideen anwenden und modificiren würde.
Lassen wir diese Vervielfältigung des schon Bekannten
weg, schliessen wir zugleich die bekannten Quantitätsverhältnisse
aus: so kehrt die alte Bemerkung wieder, das Wollen
Einer Person ist nur noch mannigfaltig durch sein Gewolltes,
dessen Verschiedenheiten man nun durchsuchen mag. Es kann
der sittlichen Auffassung näher oder entfernter liegen, edler
oder unedler sein; verfolgt man aber dessen mögliche Verhältnisse,
so kommt man zwar zu verschiedenen Bildungsstufen,
entfernt sich jedoch immer weiter von der Person selbst, auf
welche jenes Alles sich am Ende als ein Mehr oder Weniger
ihres geistigen Besitzes reducirt. So fällt es doch in die Idee
der Vollkommenheit, welche dadurch nur mehr ausgemalt
wird.