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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

Lotts  Kritik  der  Herbart’schen  Ethik  und  Herharts  Entgegnung.

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würde.  Ich  habe  behauptet  und  behaupte  noch,  dass  Vergeltung ­
  nicht  Motiv  der  Strafe  sein  darf;  und  zwar,  weil  diess
Motiv  ein  Uebelwollen  in  sich  schliesst.  Zwar  nicht  ein  Uebelwollen
  im  Allgemeinen.  Aber  das  Motiv  ist  auch  nicht  ein
fremdes,  nicht  so  beschaffen,  dass,  wenn  man  es  analysirt,
der  Zweck  sich  absondern  liesse  vom  Uebelthun  als  einem
blossen  Mittel.  Diess  aber  muss  bei  zulässigen  Motiven
durchaus  vollständig  geschehen.  Soll  ich  das  Oftgesagte  wiederholen, ­
  dass  aus  jenem  Motiv  die  ärgste  Barbarei  folgen  würde,
wo  es  darauf  ankäme,  barbarische  Verbrechen  genügend  nach
ihrem  vollen  Gewichte  durch  die  Strafe  zu  bezahlen?  Soll  ich
eine  Hölle  ausmalen,  die  solchergestalt  ein  höchst  nöthiger
Appendix  der  Erde  sein  würde?  Keine  von  allen  poetischen
Höllen  würde  dazu  hinreichen,  wenn  man  nicht  etwa  nach
alter  Weise  die  Seelen  zwar  brennbar  aber  unverbrennlich
macht,  damit  sie  recht  lange  braten  können.
7.  Ich  übergehe  manches,  um  über  die  Vollständigkeit
der  Ideenreihe  noch  ein  Paar  Worte  zu  sagen.  Wer  dagegen
etwas  ausrichten  will,  beliebe  einen  Versuch  anzustellen.
Das  Erste,  was  sich  darbietet,  ist,  die  Gesellschaft  ins
eigene  Innere  einer  Person  zu  verpflanzen;  denn  der  gebildete
Mensch  ist  vielfach  zur  Persönlichkeit  gereift.  Die  Betrachtung
möchte  auf  manches  Bekannte  über  den  innern  Umgang  stossen,
—  welches  jedoch  grade  desshalb  nicht  elementarisch  sein,
nicht  die  Reihe  der  Principien  vermehren  kann,  weil  es  die
gesellschaftlichen  Ideen  anwenden  und  modificiren  würde.
Lassen  wir  diese  Vervielfältigung  des  schon  Bekannten
weg,  schliessen  wir  zugleich  die  bekannten  Quantitätsverhältnisse ­
  aus:  so  kehrt  die  alte  Bemerkung  wieder,  das  Wollen
Einer  Person  ist  nur  noch  mannigfaltig  durch  sein  Gewolltes,
dessen  Verschiedenheiten  man  nun  durchsuchen  mag.  Es  kann
der  sittlichen  Auffassung  näher  oder  entfernter  liegen,  edler
oder  unedler  sein;  verfolgt  man  aber  dessen  mögliche  Verhältnisse, ­
  so  kommt  man  zwar  zu  verschiedenen  Bildungsstufen,
entfernt  sich  jedoch  immer  weiter  von  der  Person  selbst,  auf
welche  jenes  Alles  sich  am  Ende  als  ein  Mehr  oder  Weniger
ihres  geistigen  Besitzes  reducirt.  So  fällt  es  doch  in  die  Idee
der  Vollkommenheit,  welche  dadurch  nur  mehr  ausgemalt
wird.
            
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