Lotts Kritik der Herbart’schen Ethik und Herharte Entgegnung.
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Worauf zielt nun jenes: Also —? Unmittelbar vorher
geht:
,Beide Willen (die Willen sind ohne Zweifel in dem
Worte: Begriffe, gemeint) bekommen vermöge dieser Beziehung
(des einen Willens auf den andern) Prädicate, nämlich
die des Thuns und Leidens, die ihnen ausserdem nicht zukommen
würden.'
Diese Prädicate sind aber nicht innere, eigene, welche
die Natur des Wollens als eines geistigen Thuns treffen, 1 sondern
Ansätze von Aussen, die ohne leibliche Causalität gar
nicht denkbar wären. Das kommt auch beim Streite vor, —
und eben darum war es nicht möglich, vom Streite zur Idee
des Rechts den Weg zu finden, 2 ausser indem die Idee der
innern Freiheit zu Hilfe gerufen wurde. Wer den Streit sieht,
wer von ihm weiss, dieser erst kann getadelt werden, falls
er sich darum nicht kümmert. Sonst wäre und bliebe der
Streit ein blosses Missgeschick.
Dass vom Leidenden die Vergeltung ausgehen
sollte, dieser unrichtigen Consequenz, welche auf Rache statt
der Strafe führen würde, ist grade dadurch vorgebeugt,
dass sich das Missfallen ganz auf die That richtet. Die
Negation einer Bewegung ist Bewegung in entgegengesetzter
Richtung; damit ist nichts bestimmt über den Antrieb zur entgegengesetzten
Bewegung. Die That missfällt; das Missfallen
enthält selbst die Verneinung, deren Ausdruck in der entgegengesetzten
Bewegung liegt; daher das Hinzudenken der Nemesis,
oder eines höhern Wesens, dessen Missfallen der Ursprung
der rückwirkenden Kraft sei. Nichts als Verwechslung
wäre es, diesen Ursprung in den leidenden Willen zu
verpflanzen.
Schutz gegen die Sühnopfertheorie? — Wie kann diese
mit der Verpflanzung der Nemesis in den Leidenden Zusammenhängen?
— Der Schuldige fürchtet die Nemesis, aber doch
wohl nicht den Leidenden, nicht dessen Rache, oft eine Rache
1 Hiezu hat Lott die Randbemerkung geschrieben: ,Also doch die Beziehung
aus der — das Verhältniss aus dem — sie resultiren, zugegeben?“
Vgl. auch Lotts Kritik, 2, gegen das Ende. Der Herausg.
2 ,Aber doch ihn als ein missfälliges Willensverhältniss zu erklären??“
Randbemerkung Lotts. Der Herausg.