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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

Lotts  Kritik  der  Herbart’schen  Ethik  und  Herharte  Entgegnung.

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Worauf  zielt  nun  jenes:  Also  —?  Unmittelbar  vorher
geht:
,Beide  Willen  (die  Willen  sind  ohne  Zweifel  in  dem
Worte:  Begriffe,  gemeint)  bekommen  vermöge  dieser  Beziehung ­
  (des  einen  Willens  auf  den  andern)  Prädicate,  nämlich
die  des  Thuns  und  Leidens,  die  ihnen  ausserdem  nicht  zukommen ­
  würden.'
Diese  Prädicate  sind  aber  nicht  innere,  eigene,  welche
die  Natur  des  Wollens  als  eines  geistigen  Thuns  treffen,  1  sondern ­
  Ansätze  von  Aussen,  die  ohne  leibliche  Causalität  gar
nicht  denkbar  wären.  Das  kommt  auch  beim  Streite  vor,  —
und  eben  darum  war  es  nicht  möglich,  vom  Streite  zur  Idee
des  Rechts  den  Weg  zu  finden, 2  ausser  indem  die  Idee  der
innern  Freiheit  zu  Hilfe  gerufen  wurde.  Wer  den  Streit  sieht,
wer  von  ihm  weiss,  dieser  erst  kann  getadelt  werden,  falls
er  sich  darum  nicht  kümmert.  Sonst  wäre  und  bliebe  der
Streit  ein  blosses  Missgeschick.
Dass  vom  Leidenden  die  Vergeltung  ausgehen
sollte,  dieser  unrichtigen  Consequenz,  welche  auf  Rache  statt
der  Strafe  führen  würde,  ist  grade  dadurch  vorgebeugt,
dass  sich  das  Missfallen  ganz  auf  die  That  richtet.  Die
Negation  einer  Bewegung  ist  Bewegung  in  entgegengesetzter
Richtung;  damit  ist  nichts  bestimmt  über  den  Antrieb  zur  entgegengesetzten ­
  Bewegung.  Die  That  missfällt;  das  Missfallen
enthält  selbst  die  Verneinung,  deren  Ausdruck  in  der  entgegengesetzten ­
  Bewegung  liegt;  daher  das  Hinzudenken  der  Nemesis, ­
  oder  eines  höhern  Wesens,  dessen  Missfallen  der  Ursprung ­
  der  rückwirkenden  Kraft  sei.  Nichts  als  Verwechslung ­
  wäre  es,  diesen  Ursprung  in  den  leidenden  Willen  zu
verpflanzen.
Schutz  gegen  die  Sühnopfertheorie?  —  Wie  kann  diese
mit  der  Verpflanzung  der  Nemesis  in  den  Leidenden  Zusammenhängen? ­
  —  Der  Schuldige  fürchtet  die  Nemesis,  aber  doch
wohl  nicht  den  Leidenden,  nicht  dessen  Rache,  oft  eine  Rache
1  Hiezu  hat  Lott  die  Randbemerkung  geschrieben:  ,Also  doch  die  Beziehung ­
  aus  der  —  das  Verhältniss  aus  dem  —  sie  resultiren,  zugegeben?“ ­
  Vgl.  auch  Lotts  Kritik,  2,  gegen  das  Ende.  Der  Herausg.
2  ,Aber  doch  ihn  als  ein  missfälliges  Willensverhältniss  zu  erklären??“
Randbemerkung  Lotts.  Der  Herausg.
            
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